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Essay & Diskurs

Lucius Annaeus Seneca – Philosoph zwischen Geist und Macht

Bericht über das Seneca-Symposium 2022, veranstaltet von der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg und der Humanistischen Akademie.

Bericht über das Seneca-Symposium 2022, durchgeführt von der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg und der Humanistischen Akademie.

Bild: Américo Toledano / CC BY-SA 3.0

Bild: Américo Toledano / CC BY-SA 3.0

Von Ulrike Ackermann-Hajek (Nürnberg)

Am 9. April 2022 fand, wie geplant, das diesjährige Symposium der Gesellschaft für kritische Philosophie in Zusammenarbeit mit der Humanistischen Akademie im Marmorsaal des Presseclubs Nürnberg statt. Da immer noch eine gewisse, der Pandemie geschuldete, Planungsunsicherheit vorherrschte, wurde diese Veranstaltung erstmals als Hybrid-Veranstaltung durchgeführt: 27 Zuhörer und 3 Referenten waren vor Ort, 16 Teilnehmer an den Bildschirmen, zwei Vorträge wurden per Zoom präsentiert und einer musste krankheitsbedingt von Dr. Frank Schulze vorgetragen werden.

Ehe sich man sich mit Senecas Leben und Werk befassen konnte, hatte Dr. Frank Schulze für die GKP noch zwei ehrenvolle Aufgaben: Für den langjährigen Kassier der GKP, Bernd Schwappach, ist endlich ein Nachfolger gefunden und eingewiesen, und nach einigen „Überjahren“, nicht nur Überstunden, durfte Bernd Schwappach sich aus diesem Amt zurückziehen. Das überreichte Präsent für seine treuen Dienste löste sichtlich Freude aus.

Die zweite Sonderaufgabe bezog sich auf den Hauptredakteur von A&K, Helmut Walther. Anlässlich seines 75. Geburtstags hat die Kernredaktion von A&K als Dankeschön für seine unermüdliche Arbeit eine Festschrift erstellt, die ihm an diesem Tag zu seiner größten Überraschung präsentiert und zugestellt wurde – trotz Zoom-Teilnahme.

Dann begann der Seneca-Tag. Nach der Klärung organisatorischer Fragen stimmte Dr. Frank Schulze auf die Vorträge und das Thema des Tages ein. Rainer Ruder, der Vorsitzende der Humanistischen Vereinigung, betonte die Wichtigkeit Senecas für den praktischen Humanismus, da man viel von ihm lernen könne über die Kunst der gelungenen Lebensführung. „Wer Seneca liest, tut sich etwas Gutes“, zitierte er abschließend Joachim Kahl.

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Den ersten Vortag hielt Prof. Dr. Harald Seubert, der auch das Schwerpunktheft zu diesem Symposium herausgegeben hat. In Seneca zwischen Macht und Weisheit, Rom und der Kosmopolitie befasste sich der Referent zunächst mit dem ziemlich schlechten Nachruf, den Seneca in der Philosophiegeschichte genießt. Die Risse in der stoischen Fassade, die eigentlich von der Deckungsgleichheit von Geist und Leben zeugen solle, aber auch seine philosophische Wirksamkeit wurden im Folgenden genauer untersucht. Nach dem Vorbild des Aristoteles als Erzieher Alexanders, versuchte Seneca als Erzieher Neros positiv die Geschicke des Staates zu beeinflussen. So ergebe sich eine mehrschichtige „Persona“, sowohl für Nero und als auch für Seneca: Als Staatslenker und Erzieher, als Schüler und Philosoph, als Herrscher und Mitwisser, als Schenkender und als Nutznießer. Wie passt das noch zu stoischer Philosophie? Seneca kommt bei seinen ständigen Reflexionen zu diesem Thema zu dem Schluss, die philosophische Lebenshaltung zeige sich in dem Gleichmut, mit dem Armut und Reichtum, Macht und Ohnmacht ertragen würden. Durch die Veränderungen in Neros Persönlichkeit und Politik zunächst ins Exil auf dem Lande verbannt, widmete sich Seneca seinen Studien über Ethos und Kosmos. Dort formulierte er in seinen Briefen an seine „Gesprächspartner“ immer wieder, dass es das Ziel des Lebens sei, „in Würde“ zu leben. So entstehe bei Seneca Neues dadurch, dass er nicht einer Schule angehöre, sondern stoische, epikureische, platonische Ansätze durchdachte und in seine Wahrheit einbaute, szs. die „Weisheit entrümpelte“. Denn aus der kosmologischen Dimension der Weisheit speise sich die Freiheit, die innere Unabhängigkeit unter allen Umständen. So wird Seneca zu einem Beispiel für einen ethischen Umgang mit der Macht: Verantwortung übernehmen, aber innerlich nie die Distanz verlieren, nie den Geist, die Vernunft, an die Macht verraten, wie es Intellektuelle im 20. Jahrhundert reihenweise taten.

Im zweiten Vortrag stellte Dr. Gerhard Engel die These Seneca als klassischer Politikberater vor und untermauerte sie ausführlich. Ausgehend von einer Statue im Rathaus von Cordoba, die Seneca bei der Unterweisung Neros und die im Hintergrund stehende Minerva zeigt, beschrieb Dr. Engel das Verhältnis von Macht und Vernunft und die Folgen der Abkehr von der Vernunft. Die stoischen Grundsätze der Impulskontrolle, des Vernunftgebrauchs und der Einsicht in die Naturgesetze, auch der Einsicht in die Unterscheidbarkeit von Veränderbarkeit und Unveränderlichem, haben die Seelenruhe zum Ziel. Mit diesem Rüstzeug könne man sich, wie Seneca, an die Politikberatung wagen; allerdings stehe heute die Beeinflussung von Gruppen im Vordergrund. In seinem Werk De benificiis zeige Seneca die Bedeutung von Wohltaten für das Entstehen und Gedeihen von Gemeinschaften. Auch wenn sich Wesentliches darin auf antike Verhältnisse beziehe, habe Seneca die individuellen und systemischen Dilemmata beim Schenken treffend beschrieben, und wichtige Hinweise für das Gelingen von Geben und Nehmen gegeben. „Wohltaten“ müssten als Angebot zur Kooperation rüberkommen, nicht als Bevormundung und nicht als Almosen, sonst verliere die Wohltat ihren gemeinschaftsfördernden Nutzen. Aus Einsicht in die Veränderbarkeit oder Unveränderlichkeit der Umstände ergebe sich, auf den Spuren Senecas, die Frage nach der Nachhaltigkeit oder Sicherheit unserer Gemeinwesen. Seneca habe als genauer Beobachter sozialer Interaktionen und aller Umstände den „Seneca-Effekt“ beschrieben, der besagt, dass sowohl im privaten als auch im politischen Umfeld das Wachstum von Macht und Reichtum langsam vor sich gehe, der Ruin aber schnell. Der Referent wies dies am Untergang des weströmischen Reiches nach, dessen stete Ausdehnung letztlich mehr Schaden als Nutzen verursacht hätte. Aus genauer Beobachtung solcher Faktoren käme, wie bei Seneca, eine gute Beratung für Politiker und die politische Gesellschaft – aber auch Senecas Festhalten an Rationalität und Ethik, mit einem kosmopolitischen Blick auf den Menschen, inmitten der Stürme der Zeit, bleiben ein herausforderndes Beispiel.

Nach der Kaffeepause entwickelte Valentina Dafne De Vita in ihrem Vortrag Der Mut zur Wahrhaftigkeit gegen sich selbst: Senecas moralische Rolle der Selbstkritik, wie das „Gnothi seauton“ als älteste Anweisung der Philosophiegeschichte bei Seneca zu einem tragenden Element wurde, und wie dies wiederum von Michel Foucault für die Postmoderne fruchtbar gemacht wurde. Als Foucault seinen Schwerpunkt auf Selbst(vor-)sorge setzte und dabei in seinen letzten Vorlesungen einen erweiterten Bezug zum Parrhesia-Begriff herstellte, benannte er Seneca als wichtige historische Quelle. Besonders wichtig war ihm dabei die Rolle der Selbsterkenntnis als Pflicht, sowohl für das aktive als auch für das kontemplative Leben. Nur über eine Selbstprüfung könne es zu einer Selbstheilung kommen (Seneca in De ira). Dazu bedürfe es einer absoluten Freimütigkeit gegen sich selbst in der Analyse und einer Urteilslosigkeit, um zum „spectator sui“ werden zu können. Die wichtigste Quelle bei Seneca sei dazu De Tranquillitate Animi, wo moralische Qualitäten wie Mut oder Echtheit als Anforderungen auf dem Weg zur Selbstherrschaft beschrieben sind. Die Selbsterkenntnis mache für Seneca den Unterschied von Mensch und Tier aus, sie ist gleichzeitig der Weg zu Autonomie und echter Freiheit. Foucault greift dies auf und bezeichnet den Weg der Selbstkritik und -erkenntnis als die Erlangung einer Wahrheitsausrüstung für das Subjekt. Wie Foucault verweist auch die Referentin auf Kant und seine Seneca-Bezüge in der Kritik der praktischen Vernunft und kommt zu dem Schluss, dass das „Sapere aude“ als Ausgangspunkt der Aufklärung eine Verbindung zu dem vom Seneca geforderten Mut zur Selbsterkenntnis bilde, denn bei beiden sei die Selbstkritik und -erkenntnis der Ausgangspunkt der Weisheit.

Nach der Mittagspause folgte der Vortrag Prof. Dr. Rudolf Lüthes Vom Glück der Aufrichtigkeit und dem Segen der Endlichkeit via Zoom. Am Begriff des „Unbehagens“ als Ausgangspunkt für Philosophie stellt der Referent Ähnlichkeiten und Unterschiede der Verwendung dieses Terminus bei Seneca und in der Moderne fest. Bei Seneca ist der Zweifel am Selbstbild der Auslöser des Unbehagens und des philosophischen Weges, die Skepsis der Grundstock einer gelingenden, meist schmerzhaften Selbsterkenntnis, und damit wiederum zu einem gelingenden Leben. Dieses Gelingende-Leben-Konzept des Stoizismus hat Dr. Lüthe für sich erweitert hin zu: „Denken wie ein Skeptiker, Leben wie ein Epikureer, Sterben wie ein Stoiker“, und er sieht schon bei Seneca einen ähnlichen Ansatz. Wie am Konzept der Selbsterkenntnis zu sehen, ist Seneca philosophisch ein Skeptiker, für den aber der als „Prinzenberater“ gewonnene Reichtum nicht Askese bedeute, sondern innere Unabhängigkeit von irdischen Gütern, mit dem Ziel, die Seelenruhe, das einzig dauerhafte Gut, zu wahren. Seneca sei also ein Stoiker, der die meiste Zeit seines Lebens epikureisch lebte, und in seinen Schriften der Moderne nahe sei. Mit seinem Stil, den Sentenzen, kurze Abhandlungen und oft bildhafte Sprache kennzeichnen, trat er eher als Rhetor denn als Philosoph an die Öffentlichkeit. So passte er sich an seine Zeit und sein Publikum an, das dem heutigen in vielem ähnlich gewesen sein müsse, und woraus sich auch seine ungebrochene Aktualität speise. Was ebenso gültig sei und bleibe, ist Senecas Warnung vor Zeitverschwendung. Diese resultiere aus seiner Sicht auf den Tod: Er sieht ihn nicht als ein Ereignis vor uns, sondern alles Vergangene gehöre schon dem Tod. Nur die aktuelle, eigene Lebenszeit gehöre uns allein und mit ihr sollten wir so sorgfältig wie möglich umgehen, um den Tod nicht als sinnloses Schicksal zu sehen, sondern als stete Möglichkeit, unsere Freiheit und Würde zu bewahren.

Der zweite Vortrag des Nachmittags konnte krankheitsbedingt leider nicht vom Referenten Dr. Robert Zimmer selbst gehalten werden, sondern sein Text Lebensweisheit als Weltklugheit. Senecas „Briefe an Lucilius“ als Vorläufer einer Philosophie der Lebenskunst wurde von Dr. Frank Schulze vorgetragen. Dr. Zimmer stellte zunächst die Grundzüge der traditionellen Stoa dar und zeigte die Praxisorientierung der gesamten römischen Philosophie auf. Dazu passe der Öffentlichkeitsbezug Senecas, der aber nichts Marktschreierisches bedeute, sondern seine Äußerungsformen betreffe. Denn seine philosophischen Briefe, die von allen Interessierten gelesen wurden, waren mehr essayistische philosophische Lehrvorträge, deren Adressaten auch bekannte Persönlichkeiten waren, in den Briefen aber bestimmte Rollen, z.B. eine Schülerrolle einnahmen. Inhaltlich unterscheide sich Senecas Ansatz von dem traditionellen der Stoa dadurch, dass er statt Affekt-Vermeidungsstrategie ein Glücksmanagement zum Ziel hatte. So hatte er zusätzlich positive Bezüge zu Epikur und zu der „Maß-und-Mitte“-Forderung des Aristoteles, so dass eine praxisorientierte Handlungsanleitung entstand. Dabei wurden stoische Grundsätze der Vernunftausrichtung nicht über Bord geworfen, sondern sie zeigen sich als Autonomie und als Kohärenz. Dazu kommen noch die Empfehlung klugen Zeitmanagements, Klugheit und Maß als wichtige, praktische Kriterien. Der Autor betont besonders, dass bei Seneca die Klugheit die Rolle der Weisheit übernommen habe. Dieses kluge Handeln zeige sich auch im Sozialverhalten, wo Seneca jegliche Abschottung ablehne, ohne sich von Masse oder Reichtum abhängig zu machen. Fazit: Bei Seneca stehe die menschliche Selbstbestimmung im Mittelpunkt, seine Texte seien geprägt von common sense und Pragmatismus. Er habe seine Wirkung nicht in der universitären Philosophie entfaltet, aber in der Moralistik, z.B. bei Montaigne. Letztlich habe er uns ein Konzept des urbanen Lebens hinterlassen.

Der letzte Vortrag des Tages, den Dr. Dr. h.c. Dieter Birnbacher in Präsenz hielt, hatte den Titel Seneca und der „gute Tod“ und befasste sich mit diesem besonderen Schwerpunkt in Senecas Werk. Seneca gelte als Kronzeuge für selbstbestimmtes Sterben. Obwohl sich Stoa und Christentum in ihrer Ethik viel­fach ähneln, ist die Selbstverständlichkeit der Selbsttötung zur damaligen Zeit der größte Unterschied zur Moral von MA und Neuzeit. Seneca selbst habe vielfältig Bekanntschaft mit dem Tod gemacht, durch Asthmaanfälle oder Ohnmachten, aber auch durch die politisch motivierten Morde seiner Zeit. Obwohl das Kriterium der Selbstbestimmung am Lebensende für die antike Zeit und die Moderne gleich klinge, z.B. im Wunsch nach möglichst langer Erhaltung der eigenen Gestaltungsfähigkeit und nach Gestaltungsspielraum über die Art des eigenen Sterbens, gebe es wichtige Unterschiede. Während bei Seneca der selbstbestimmte Tod eine moralische Forderung, ein Ideal, war, getragen von einer positiven „Freiheit zu“, wird er in der Gegenwart als moralisches Recht eingefordert, begleitet von einer negativen „Freiheit von“, z.B. staatlichen Bevormundungen. Senecas Ansatz, Sterben als moralische Herausforderung anzunehmen, zeige sich in vielen seiner Schriften, auch wenn er epikureische Begründungen, z.B. dass der Weg aus dem Leben leicht und kurz sein könne, aufgreife. Ihm sei aber das moralische Ideal, das das Sterben tragen solle, wichtig, bestehend aus Furchtlosigkeit, Autonomie und Integrität, beim Philosophen wie beim Gladiator. Damit wird der Todesfurcht eine Absage erteilt und die Selbstkontrolle im Sterben wie im Leben an oberste Stelle gesetzt. Für Seneca bestehe die moralische Rechtfertigung des selbstbestimmten Todes darin, dass geistiges und/oder autonomes Leben nicht mehr möglich wäre. Langeweile oder Blasiertheit gälten nicht. Seine Haltung zum Tod ist geprägt von den Tugenden Authentizität, Unabhängigkeit und Selbstvertrauen aus Vernunft.

In der Abschlussdiskussion, die von den anwesenden Referenten Dr. Engel, Prof. Dr. Dr. h.c. Birnbacher und Frau De Vita, sowie dem per Zoom zugeschalteten Prof. Dr. Seubert hauptsächlich bestritten wurde, ergänzt durch Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum, ging es um die Frage, was uns Seneca heute noch zu sagen habe. Als wichtigster Punkt kam die Sterbehilfedebatte auf die Agenda. Neben Bezügen zur Lebenskunstphilosophie, von der Seneca über die Jahrhunderte hinweg immer wieder als Modelldenker zitiert wurde, wurden Bezüge zu praktischen Fragen hergestellt: Wie elitär ist heutzutage selbstbestimmtes Sterben? Auch wenn die Bildungsgüter zunehmend erweitert würden, wäre ein guter, assistierter Tod noch exklusiv und teuer. Dies widerspräche auch dem Geist Senecas, der von der Gleichheit aller Menschen ausging. Eine Möglichkeit, die Exklusivität zu ändern, wären Beratungen, wie in Kanada, um den Einzelnen nicht allein zu lassen, Alternativen zu zeigen oder illusorische Vorstellungen zu korrigieren. Aber auch die mögliche Gefahr der Bürokratisierung wurde diskutiert, und auf die nötigen Rechtsgrundlagen in Bezug auf Beratung und Finanzierung derselben von Dr. Engel hingewiesen. Dr. Seubert verwies auf die Selbstsorge als wichtiges Gut, die in Freiheit und Verantwortung entschieden werden sollte. Dies sei eine Entscheidung an der Grenze von Moral und Recht. Des Weiteren wurde die seit dem Urteil des BGH vom Februar 2020 sich ergebende Rechtslage von verschiedenen Seiten beleuchtet – wozu Dr. Birnbacher wichtige Informationen beisteuerte –, besonders die Frage nach der Strafbarkeit der Assistenz bei Suizid (die durch ein nachfolgendes Urteil auch straffrei geworden sei) und nach einer möglichen Verpflichtung von Ärzten zur Assistenz.

Schließlich wurde jeder der Vortragenden noch gebeten, das für ihn Bleibende von Seneca zusammenzufassen. Dr. Engel hob besonders Senecas Unabhängigkeit heraus. Er habe es geschafft, sich vom griechischen Ethos zu emanzipieren und das Individuum als Träger der Ethik zu bestimmen, so dass er selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu einer unabhängigen Philosophie kam. Frau De Vita verwies auf die ungebrochene Bedeutung Senecas bei der modernen Beratungspraxis. Für Dr. Seubert ist er ein Beispiel eines Philosophen, der in der vita activa und contemplativa tätig war, der besseren politischen Erfolg hatte als Platon, und der als Weltdenker die Menschheit im Blick hatte. Außerdem könnte mit der Sichtweise dieses moralistischen Realisten die derzeitige Hyperemotionalisierung der Debatten unterlaufen werden. Auch Dr. Birnbacher würdigte Seneca als Klassiker der therapeutischen Beratung und Philosophie, z.B. in seinen „Trostschreiben“. Außerdem gebe er ein besonderes Beispiel einer philosophischen Lebensführung in schwierigen Zeiten, da seine Zeit mit ihren Zerstreuungen, dem Übermaß an Affekten und Erwartungen u. ä. der unseren sehr ähnlich gewesen wäre. Beispielhaft seien seine Festigkeit und sein Mut zur Wahrheit in Freiheit und Lebendigkeit.

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