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Meet a humanist: Natascha Otto

„Es ist mir tatsächlich sehr wichtig, authentisch zu leben. Dass ich moralisch und tolerant handle und lebe.“ Es ist der Beginn eines sonnigen Sommertages im Nürnberger Rosenaupark mit viel Grün und leckerem Kaffee. Mit dabei: Natascha Otto, Studentin der Pädagogik und Soziologie, 21 Jahre jung und viele schlaue Gedanken im Gepäck. Wir sprechen über die Frage, was den Kern einer guten Lebensweise ausmacht.

Natascha Otto – Foto: HMA / A. Platzek

Ganz praktisch für Natascha Otto: Seit vielen Jahren ist sie ehrenamtlich bei den Jungen Humanist*innen (JuHu) aktiv. Sie unterstützt die Jugendfeiern, gestaltet Kinderfreizeiten mit und den JuHu-Kennenlerntag, wo sie den Humanismus und seine Bedeutung von der Antike bis heute vorstellt. Zuletzt war sie tatkräftig mit beim HumanistenTag dabei, begleitete unter anderem auf dem Kornmarkt einen Workshop zu Diskriminierungserfahrungen. Zu ihrem langjährigen Engagement ist sie über ihre Jugendfeier vor sechs Jahren gekommen. Die Treffen der Jungen Humanist*innen waren für sie ein guter Fixpunkt, sich auszutauschen, berichtet sie. Diese regelmäßigen Treffen und Jugendreferentin Anita Häfner als Ansprechpartnerin beschreibt sie rückblickend als grundlegend und zugleich inspirierend. Viele persönliche, philosophische Gespräche habe sie in dieser Zeit erlebt. „Was bin ich, was sind meine Werte, wenn ich keine religiösen wie viele andere in Bayern habe?

Die Anregungen zum Nachdenken und dann später die Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität, Moral und Religion haben mich sehr geprägt“, berichtet Natascha Otto weiter.Denn für sie „ist es wichtig, sich Fragen zu Glück, Freiheit, Selbstbestimmung zu nähern, zu schauen, was das für mich und andere bedeutet.“ Schon bei Kindern hält sie das für wichtig, „denn da fängt das Interesse für Philosophie und Politik an“ – so ihre Erfahrung aus den Freizeiten. „Das wird Kindern oft nicht zugetraut, sich zu ernsten Fragen zu äußern. Aber auch Kinder haben große Fragen, was macht das Leben eigentlich aus oder wer bin ich.“ Und sie müssten in jedem Fall gestärkt werden, dass sie so sein dürfen wie sie sind, und auch mal Nein sagen können, von Anfang an, meint sie.

Humanismus bietet Orientierung in einer chaotischen Welt

Im Studium setzt sich Natascha Otto heute intensiv mit Genderfragen auseinander. „Es interessiert mich, wie Rollen entstehen, wozu und ob sie noch gebraucht werden oder wie sie aufzulösen wären“, sagt sie, und weiter: „Dabei kristallisiert sich eben heraus, dass Toleranz und Individualität für alle gelten müssten.“ Jede und jeder sollte nach seiner Fasson leben können. „Irgendwie platt, aber eben: Leben und leben lassen. Das finde ich wirklich total grundlegend, sogar in religiösen Fragen.“ Zwar ist sie selbst nicht gläubig, doch warum solle jemand nicht religiös glauben dürfen, wenn es ihr oder ihm Kraft gibt? Natascha Otto befürwortet hier ebenfalls klar eine tolerante Haltung.

Menschen wie sie können sich jedoch nicht auf „die eine Wahrheit“ berufen. Sie dürfen sich vielmehr auf den Weg machen und sehen, was für sie essentiell ist im Leben, was ihre Identität ausmacht, sagt Natascha Otto. Humanistische Ideen und die Humanistische Vereinigung (HV) als Wertegemeinschaft sieht Natascha Otto dabei als einen Rahmen, eine Hilfe zur Orientierung in einer chaotischen Welt. Und: „Menschen ohne Glauben haben genauso Werte wie andere.“
Als Mitglied sei sie übrigens ziemlich zufrieden. „Aber natürlich muss deshalb nicht alles so bleiben wie es ist“, lacht sie. Sie wünscht sich eine Jugendarbeit für ganz Bayern und mehr Veranstaltungen, die für jüngere Menschen attraktiv sind. Die Arbeit der HV, sich beispielsweise für Humanistischen Unterricht einzusetzen, sieht sie als eine elementare Aufgabe. Außerdem sollte es ein verpflichtendes Fach geben, in dem sich alle gemeinsam mit philosophischen und politischen Fragen beschäftigen. Sie selbst hatte in der Schule das Ersatzfach Ethik besucht. Glücklicherweise wurde es in der Oberstufe des Gymnasiums so gut gestaltet, dass sie auch dort zu fundamentalen Grundfragen – beispielsweise der Suche nach Glück oder was Freiheit bedeutet – Zugang fand. Zur Verbesserung der Wertebildung vorschlagen würde sie eine Einbeziehung „ihres Themas“: „Gender und Sex, denn dieses steht ganz im Kontext der eigenen Identität, der Grenzziehung zum anderen, und schließlich genauso gut der individuellen Selbstbestimmung.“

Fazit: Bei Menschen zu sein, sie neugierig zu machen, und zu erfahren, was jede und jeder Einzelne mitbringt, liegt ihr wirklich am Herzen. Natascha Otto nippt nachdenklich an ihrem Kaffee. Genießerin? „Ja, das Leben im Moment oder wie wir Humanistinnen so schön sagen, im Diesseits, ist sehr wichtig.“
Doch es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein, auch nicht an diesem schönen Vormittag in der Rosenau. Ein gutes Leben und Engagement dafür bleiben jedenfalls für Natascha Otto auch in Zukunft wichtig: „Mit dem Bewusstsein, dass wir etwas tun können und nicht ohnmächtig sind. Ich wünsche mir, dass wir Toleranz und Menschlichkeit in der derzeit herrschenden politischen Atmosphäre für die Zukunft erhalten. Dass wir diese Werte nicht nur erörtern, sondern auch leben und Gesicht zeigen gegen Dogmatismus und Rassismus.“

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