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Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert

Das Deutsche Historische Museum in Berlin widmet sich in einer Wechselausstellung bis zum 18. Oktober dem Werk und Leben Hannah Arendts. Darin soll sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts mitsamt ihren Anforderungen an die Gegenwart spiegeln, zudem gibt es zahlreiche persönliche Gegenstände zu sehen.

Das Deutsche Historische Museum in Berlin widmet sich in einer Wechselausstellung bis zum 18. Oktober dem Werk und Leben Hannah Arendts. Darin soll sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts mitsamt ihren Anforderungen an die Gegenwart spiegeln, zudem gibt es zahlreiche persönliche Gegenstände zu sehen.

Hannah Arendt an der University of Chicago, 1966 Foto: © Art Resource, New York, Hannah Arendt Bluecher Literary Trust

Hannah Arendt gehört zu den großen politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, deren dezidierte Urteile noch heute so kontrovers sind wie ihre Fragen aktuell. Eigensinnig, strittig und anregend äußerte sie sich über Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von Flüchtlingen, den Eichmann-Prozess, Zionismus, das politische System und die „Rassentrennung“ in den USA, die Studierendenproteste der 1960er Jahre und Feminismus. Arendt war durch ihr Werk sehr einflussreich. Sie entzog sich jeder politischen Zugehörigkeit und Einordnung. Und diese Eigenständigkeit kann geradezu als Resultat ihres intellektuellen Projekts gesehen werden. Und vielleicht ist es gerade diese Eigenständigkeit in einer faszinierenden Lebensgeschichte zwischen Königsberg, Berlin und New York, zwischen Martin Heidegger, Walter Benjamin, Mary McCarthy, Kurt Blumenfeld und Karl Jaspers, die sie heute so aktuell macht.

Die Ausstellung über Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert ist jedoch keine biographische. Vielmehr gehe es darum, „Kristallisationspunkte der Geschichte des 20. Jahrhunderts auf neue Weise darzustellen“, sagt Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums. „Wir zeigen Arendt und die Geschehnisse, in die sie eingreift, die Kontroversen, die sie erzeugt, die Meinungen und Urteile, die sie entwickelt. Weniger interessiert uns ihr ‚Denken‘ als das, was sie in immer neuen Ansätzen über das Urteilen sagt. Bei diesem Urteilen können Betrachterinnen und Betrachter der Ausstellung sie beobachten: Wie sie als öffentliches Individuum aus der Fülle ihrer besonderen existenziellen Erfahrungen heraus spricht, Behauptungen aufstellt und für diese im Streit Verantwortung übernimmt. Und wie sie zugleich damit eine Öffentlichkeit schafft, deren Sinn es ist, kategorisch gefällte Urteile wieder in Frage zu stellen und zu widerlegen. So reagiert sie auf ihre Erfahrung von Nationalsozialismus und Totalitarismus“, so Gross weiter.

Teil der Ausstellung ist auch eine Schenkung der Judaistin und Großnichte Hannah Arendts, Edna Brocke. Sie umfasst Presse-, Audio- und Filmmaterial sowie zahlreiche Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Hannah Arendts, darunter Autorenausgaben ihrer Schriften, Urkunden und Auszeichnungen, eine Kamera, Fotografien, Briefe, Kunstwerke und Schmuck. Eine Besonderheit der Schenkung ist die Minoxkamera von Hannah Arendt, die zusammen mit Originalnegativen und bisher nicht publizierten Fotoabzügen aus der Schenkung im Zentrum eines eigenen Ausstellungskapitels steht. Das handliche und als „Spionagekamera“ bekannte Gerät war zwischen 1961 und 1975 Arendts eine treue Begleiterin zu Hause und auf Reisen, mit der sie Freunde und Verwandte in Israel, New York und Europa fotografierte.

© Fred Stein Archive, Stanfordville, New York

„Niemand hat das Recht zu gehorchen!“ – So stand das Zitat auf einem Infoscreen in der Berliner U-Bahn, und es steht auch im Vordergrund des Werbeplakats für die DHM-Ausstellung. Autorin des Zitats: Hannah Arendt. Beim googlen nach dem Zitat fällt dann aber auf: Das hat Hannah Arendt zwar fast so gesagt, aber es fehlten zwei entscheidende Dinge.

Erstens die beiden Wörtchen „bei Kant“ – und zweitens der Kontext. Rita Molzberger und Nora Hespers vom „Was-denkst-Du-denn“-Podcast stellen sich der Frage, inwieweit der Kontext zwingend notwendig ist für das Hannah Arendt Zitat und ob es nicht doch in seiner Verkürzung trotzdem noch Sinn ergeben kann. Hier gleich anhören oder zum Podcast auf wasdenkstdudenn.de…

Die Ausstellung folgt Hannah Arendts Blick auf das 20. Jahrhundert entlang 16 zeithistorischer Themenpunkte. Zentrale Elemente der rund 300 Objekte sind Filmaufnahmen, etwa Seite das berühmte Fernsehinterview mit Günter Gaus von 1964, sowie zahlreiche aktuelle Filminterviews u. a. mit der 2019 verstorbenen Philosophin Ágnes Heller, dem Politiker Daniel Cohn-Bendit oder der Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus. Darüber hinaus werden Arendts Kontroversen beleuchtet. Eine Hörcollage führt durch ihre Urteile und die daraus entstandenen Auseinandersetzungen.

Tickets für die Ausstellung sind auf der DHM-Website für verbindliche Zeitfenster erhältlich. Führungen und Gruppenangebote finden derzeit nicht statt. Stattdessen können Besucherinnen und Besucher die Themenschau zu Hannah Arendt im Pei-Bau individuell durch Hörführungen erkunden und einen umfassenden Einblick in das Leben und Wirken der politischen Theoretikerin erhalten. Das Mitbringen eigener Kopfhörer (3,5 mm Klinkenstecker) wird empfohlen.

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