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Hochzeit und Partnerschaft: Darum feiern immer mehr Briten humanistisch!

Der Verband der britischen Humanisten hat neue Zahlen zu den von ihnen begleiteten Hochzeits- und Partnerschaftsfeiern veröffentlicht. Sie zeigen ein starkes Wachstum der Nachfrage zwischen 2004 und 2015. Bei den kirchlich begleiteten Eheschließungen ist hingegen ein massiver Rückgang an Interesse zu verzeichnen. Aber ein Problem in England und Wales gibt es noch.

England: Ein Paar bei einer humanistischen Trauungszeremonie. Foto: Clive Blair / via Humanists UK

Hohe Achtung für die Individualität jedes Menschen, die Selbstbestimmtheit jeder Person, das Bewusstsein für die eigene Verantwortung und Freiheit von religiösen Vorgaben gehören zum Kern humanistischer Werte – und damit auch zum Profil jeder Lebenswende-Feier in humanistischer Begleitung. Auch bei den Einwohnern von England und Wales erfreuen sich solche Werte und Haltungen offenbar immer größerer Beliebtheit. Das zeigen in der letzten Woche veröffentlichte Zahlen des Verbandes der britischen Humanisten, Humanists UK. Denen zufolge feierten 2015 rund zweieinhalb Mal so viele Britinnen und Briten ihre Eheschließung oder Partnerschaft in humanistischer Begleitung wie zehn Jahre zuvor.

Für die Analyse waren neben den eigenen Daten die offiziellen Zahlen der Kirche von England und der Kirche von Wales, der römisch-katholischen Kirche und die von zahlreichen kleineren Religionsgemeinschaften herangezogen worden. Da dort die Kirchen – anders als in Deutschland – die Möglichkeit haben, rechtsverbindliche Trauungen durchzuführen, liegen genaue Daten dazu vor. Aus diesen geht nun hervor, dass humanistische Ehe- und Partnerschaftsfeiern als einzige in diesem Bereich ein deutlich und stabil wachsendes Interesse bei der Bevölkerung finden. Für die Jahre 2016 und 2017 sei die Erhebung der Zahlen zwar noch nicht abgeschlossen, doch die Humanists UK erklärten in einer Mitteilung dazu, mittlerweile der fünftgrößte Anbieter im Vereinigten Königreich zu sein.

Bei den kirchlichen und anderen religiösen Eheschließungen ist wiederum stagnierendes bis teils stark schrumpfendes Interesse zu beobachten. So sank die Zahl der pro Jahr von der Kirche von England durchgeführten Trauungen von rund 58.000 im Jahr 2004 um ein Viertel weniger auf 43.000 elf Jahre später. Mit knapp 29 Prozent noch stärker ist die Zahl der römisch-katholischen Trauungen zurückgegangen. Am meisten von drei großen Kirchen im Land verloren hat jedoch mit 29,3 Prozent Rückgang die walisische Kirche. Die drei Kirchen zusammen kommen auf mittlerweile nicht einmal so viele Ehe- und Partnerschaftsfeiern wie zehn Jahre zuvor die Kirche von England allein verzeichnete.

Die Zahlen erklären auch, warum auf Seiten der britischen Regierung die Widerstände groß sind, humanistische Trauungen mit den kirchlichen rechtlich gleichzustellen. Denn bisher sind in England und Wales die Ehe- und Partnerschaftsfeiern in humanistischer Begleitung noch nichts rechtsverbindlich möglich, wie die der Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften, sondern für eine offizielle Eheschließung ist wie in Deutschland zusätzlich der Gang zum Standesamt notwendig. Wären die humanistischen Trauungen rechtlich gleichgestellt, würde sich die Nachfrage in der Bevölkerung wahrscheinlich noch viel dramatischer verschieben als schon bisher.

Mike und Jo pflanzen im Nationalpark Snowdonia einen Baum, um ihre Partnerschaft zu symbolisieren. Foto: Ruth Garner / via Humanists UK

Erfahrungen aus Schottland unterstützen dies, denn dort sind humanistische Trauungen 2005 per Gesetz als rechtsverbindlich anerkannt worden. Feierten im ersten Jahr nur 85 Paare eine solche Hochzeit, waren es 2016 schon mehr als 4900 Eheschließungen – womit mittlerweile die Zahl der Trauungen der Kirche von Schottland übertroffen worden ist.

„Eine humanistische Hochzeit ist eine nichtreligiöse Zeremonie, die zutiefst persönlich ist und von einem humanistischen Feiersprecher begleitet wird“, so die Humanists UK dazu. Diese unterscheide sich von der standesamtlichen Trauungen dadurch, dass sie vollständig auf die Bedürfnisse des Paares zugeschnitten ist und humanistische Haltungen und Werte des Paares widerspiegelt und von einem Feiersprecher begleitet wird, der diese Haltungen und Werte teilt, heißt es weiter.

Andrew Copson

Andrew Copson von den Humanists UK erneuerte anlässlich der neuen Zahlen nochmals die Forderung an die Politik, diese Eheschließungen wie die der Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften gesetzlich anzuerkennen.

„Dass humanistische Trauungen nicht anerkannt sind, ist ungerechtfertigt und unfair“, sagte er. Die Regierung habe seit 2013 die Macht, das zu ändern, und daher sollte diese es tun, um diese Ungleichbehandlung zu beenden, so Copson.

Wollen Sie mehr zum Thema wissen? Auch bei uns stoßen Ehe- und Partnerschaftsfeiern in Begleitung humanistischer Feiersprecherinnen und -sprecher auf immer mehr Nachfrage bundesweit. Anders als im Vereinigten Königreich sind in Deutschland jedoch nur standesamtliche Eheschließungen und Lebenspartnerschaften rechtsverbindlich.
Viele Paare nutzen daher die Möglichkeit, nach dem Gang zum Standesamt ihre Hochzeit in einer individuellen Zeremonie zu feiern. Auch Namens- und Willkommensfeiern für Neugeborene, Jubiläums- sowie Trauer- und Abschiedsfeiern gehören zum humanistischen Angebot. Wenn Sie Interesse an qualifizierter humanistischer Begleitung bei einer Lebenswende-Feier haben, können Sie hier ein Zentrum in Ihrer Nähe finden und dort weitere Informationen erhalten.

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