Anzeige

Wenig Rente, früher Tod

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Deutschland immer weiter auseinander — auch bei der Lebenserwartung: Wer nur wenig Rente bezieht, stirbt im Schnitt fünf Jahre früher.

Wer nur wenig Rente bezieht, stirbt früher.

Anhand von Daten der Deutschen Rentenversicherung hatten Georg Wenau, Pavel Grigoriev und Vladimir Shkolnikov vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung untersucht, wie sich die Lebenserwartung von Rentnern zwischen 1997 und 2017 entwickelte. Dabei fanden sie heraus, dass sich der Abstand zwischen Arm und Reich im beobachteten Zeitraum stetig vergrößerte. Während 65-jährige Männer mit sehr hohen Rentenbezügen bei Rentenantritt eine durchschnittliche verbleibende Lebenserwartung von knapp 19 Jahren hatten, verstarben arme Rentner meist noch vor ihrem 80. Geburtstag.

Zwar stieg die Lebenserwartung im Beobachtungszeitraum generell an, allerdings tat sie dies in der obersten Einkommensgruppe deutlich schneller an als in der untersten Einkommensgruppe. Der Abstand in der Lebenserwartung vergrößerte sich so in Westdeutschland von etwa drei auf fünf, in Ostdeutschland von etwa vier auf etwas mehr als fünf Jahre.

Die Lebenserwartung steigt, für Reiche allerdings schneller als für Arme. Grafik: Max-Planck-Institut für demografische Forschung

„Vor allem für Menschen am unteren Ende der sozialen und wirtschaftlichen Hierarchie stieg die Lebenserwartung im Alter 65 zuletzt deutlich langsamer – im Westen sogar seit etwa 2007 fast gar nicht mehr“, wird Georg Wenau, Hauptautor der Studie, zitiert. Wie Wenau betont, sei das Problem auch nicht allein mit höheren Rentenzahlungen aus der Welt zu schaffen. In geringen Bezügen fänden auch „gebrochene Erwerbsbiografien mit schlecht bezahlten Jobs und Zeiten der Arbeitslosigkeit“ ihren Ausdruck — und die wirkten selbst wiederum lebenszeitverkürzend.

Hier geht es zur Studie: Socioeconomic disparities in life expectancy gains among retired German men, 1997–2016

Anzeige
Hinweise zum Datenschutz

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.