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Berlin: „Silbernetz“ erhält Förderung durch Lotto-Stiftung

Das Projekt Silbernetz des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg erhält 150.000 Euro Startkapital von der Lotto-Stiftung Berlin. Das seit seinem Beginn von Ehrenamtlichen getragene Projekt will nun in die Umsetzung gehen und nachhaltige Strukturen errichten. Ab dem Frühjahr soll es eine kostenfreie Rufnummer für von Einsamkeit bedrohte Senioren geben.

Foto: © De Visu / Fotolia.com
„Keine Frage zu groß, kein Problem zu klein. Kein Grund, damit allein zu sein“, lautet das Motto des humanistischen Projekts Silbernetz. Einsamkeit und Isolation sind als Krankheitsrisiko ebenso schwerwiegend wie beispielsweise Fettleibigkeit. Foto: © De Visu / Fotolia.com

Der Lotto-Stiftungsrat hatte am 4. Oktober 2016 entschieden, das Projekt Silbernetz mit 150.000 Euro Startgeld aus den Stiftungsmitteln zu fördern.

Silbernetz will eine kostenfreie Rufnummer für ältere Menschen bieten, die sich vereinsamt oder isoliert fühlen. Das Projekt wurde 2014 von Ehrenamtlichen nach dem Vorbild The Silver Line in Großbritannien ins Leben gerufen und will künftig ein Dreistufensystem anbieten:  Unter der Rufnummer 0800 4 70 80 90 sollen ältere Menschen ab dem Frühjahr 2017 zunächst rund um die Uhr einen Gesprächspartner finden. Hauptamtliche Mitarbeiter sollen zuhören, Anteil nehmen und erste Informationen geben. Im zweiten Schritt sollen die älteren Menschen Silbernetz-FreundInnen bekommen, die sie regelmäßig für eine Stunde anrufen. Silbernetz will in einem dritten Schritt den Seniorinnen und Senioren außerdem Kontakte und Angebote aus der Nachbarschaft vermitteln und ihnen so aus der drohenden Isolation helfen.

Einschlägige Erfahrungen in der Beratung und Unterstützung von älteren Menschen gesammelt hat der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg bisher mit dem von Ehrenamtlichen getragenen Berliner Seniorentelefon, das es seit 1993 gibt.

Silbernetz-Banner

Zum Silbernetz-Projektteam gehören aktuell mehr als ein Dutzend Personen, darunter die Organisationsberaterin und Campaignerin Elke Schilling, die das Projekt initiiert hat und leitet. Die Ursachen für Einsamkeit im Rentenalter sind vielfältig, sagte Elke Schilling im Interview mit dem Sender rbb. „Wenn die Kinder wegziehen, eine Beschäftigung fehlt oder der Partner stirbt“, geraten gerade Seniorinnen und Senioren in die Einsamkeit, so Schilling weiter. Einsamkeit und Isolation seien als Krankheitsrisiko ebenso schwerwiegend wie beispielsweise Fettleibigkeit. „Einsamkeit kann jede/n treffen, egal welchen Glaubens, welcher Kultur, welchen Geschlechtes. In Kombination mit Armut sicherlich öfter. Wir setzen die multikulturelle Ausrichtung von Silbernetz in unserem Angebot und in all unseren Strukturen um“, heißt es beim Silbernetz weiter dazu.

Alle Informationen rund um das Projekt finden Sie auf www.silbernetz.org

Gerade deshalb ist die Freude über das Startgeld der Lotto-Stiftung groß. „Das spricht für Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit und Anerkennung für unser Vorhaben“, schreibt das Team auf der Webseite. „Das gibt Basis und Ansporn zum Einwerben weiterer Mittel, um den Betrieb unseres Hilfetelefons über das erste Jahr hinaus zu sichern“, hieß es beim Humanistischen Verband in Berlin. Das Team arbeitet auf Hochdruck am Start des Projekts, die Freischaltung der Nummer ist für das Frühjahr 2017 geplant. Bis zum Start ist das Berliner Seniorentelefon unter der Rufnummer 030  279 64 44 Montag und Mittwoch zwischen 12 und 14 Uhr sowie Freitag und Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr (auch an Feiertagen) erreichbar.

2 Kommentare

  1. Man kann Euch Ehrenamtlichen von „Silbernetz“ nur zu Eurer wichtigen Arbeit mit älteren und einsamen Menschen von Herzen gratulieren. Euer Telefondienst möge dazu dienen, dass sich aus den Telefonbekanntschaften möglichst viele nachhaltige Kontakte auch als Besuchsbekanntschaften bis hin zu verlässlichen Besuchsfreundschaften entwickeln, wie ich sie mir mit unserem Projekt VISITee auch wünsche. Dabei braucht man das Wörtchen „Tee“ beim gegenseitigen Besuch nicht so eng zu sehen. Denn man kann ein Tässchen Kaffee auch als einen „Kräuterteeaufguss“ betrachten. Die Hauptsache ist doch, dass es am Telefon oder bei der analogen Begegnung zu guten Gesprächen kommt. Da ist die Frage „Tee oder Kaffee“ so unorthodox zu beantworten wie die berühmt gewordene Frage „Keks oder Schokolade“. Viel Erfolg & Freude bei Silbernetz wünscht VISITee.
    Frank Stößel, Mitglied im HVD Bayern

  2. Ich finde es gut und wichtig dass endlich auch etwas für unsere alten Menschen getan wird. Seit vielen Jahren habe ich mich mit zwei älteren Damen befreundet und war (unentgeldlich) immer für sie da. Am meisten hat mich in dieser Zeit befremdet dass sich die Kinder überhaupt nicht um ihre alleinstehenden Elternteile gekümmert haben. Vater oder Mutter wollten ihren Kindern aber auch nicht zur Last fallen. Eine der Damen ist letztes Jahr gestorben und die Kinder waren mehr am Erbe interessiert als am Tod ihrer Mutter. Was mich in unserer Gesellschaft aber am meisten befremdet ist dass wir alles Ehrenamtlich lösen müssen. Es geht dabei nicht mehr nur um Einsamkeit, sondern meistens um Armut und damit nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Und diese Armut zieht sich bei uns von frühester Kindheit an durch bis ins hohe Alter. Und das im Reichen und leider oft nicht sehr menschlichen humanitären Deutschland! Wir erkennen nicht mal das Problem unseres Gegenüber, wie können wir dann die Probleme der Welt sehen.
    Dem Silbernetz-Projektteam viel Erfolg und Danke dass es euch gibt.

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