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„Im Zentrum der Feier stehen die Menschen“

Sei es die Geburt des Kindes, die eigene Hochzeit oder die Trauerfeier für einen Angehörigen – immer mehr Menschen entscheiden sich auch ohne religiöse Zugehörigkeit dafür, wichtige Wendepunkte im Leben mit einer besonderen Zeremonie zu würdigen. Und es gibt ein stetig wachsendes Angebot für Lebensfeiern ohne kirchlichen Rahmen. Diese sind auch deshalb so beliebt, weil sie durch Reden und Rituale den konkreten Menschen in den Vordergrund stellen. Frank Schulze ist seit 2014 bei der Humanistischen Vereinigung als Redner für humanistische Lebensfeiern aktiv und führt Geburtsfeiern, Hochzeiten und Trauerfeiern durch.

Die Fragen stellte Andrea Nehr.

Foto: Jens Diedrich

Herr Schulze, wie sieht Ihre Tätigkeit genau aus?

Frank Schulze: Im Kern ist das bei allen Feierarten ähnlich: Ich bespreche mit den Menschen, die sich eine Lebensfeier wünschen, wie diese genau ablaufen und welchen Charakter sie haben soll, also ob sie sich ihre Hochzeit zum Beispiel eher heiter-romantisch oder feierlich-getragen vorstellen. Das geschieht in einem ausführlichen persönlichen Vorgespräch, das aber meist noch um weitere Klärungen per E-Mail oder Telefon ergänzt wird. Auf dieser Basis plane ich den Ablauf und schreibe die Rede. Bei der Feier trage ich dann nicht nur die Rede vor, sondern führe als eine Art„Moderator“ auch durch die gesamte Zeremonie.

Es ist ja ein nicht ganz alltäglicher Job, Menschen an solch wichtigen Wendepunkten des Lebens zu begleiten. Wie sind Sie dazu gekommen, und was macht Ihnen besonders Spaß?

Auf diese Berufsmöglichkeit bin ich schon sehr früh aufmerksam geworden, nämlich als ich mich 2001 der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg angeschlossen habe. Gleich zwei der damaligen Vorstandsmitglieder waren bereits als weltliche Trauerredner aktiv und wollten mich ebenfalls für diese Tätigkeit gewinnen. Obwohl es wegen meiner Promotion noch einige Jahre dauerte, bis ich diesen Weg tatsächlich einschlug, hat mir die Idee sofort gefallen. Denn das war eine praktische Anwendung dessen, was ich in meinem Philosophie- und Germanistikstudium gelernt hatte, ja sogar eine existenzielle Anwendung.

Das ist es auch, was mir so besonders gut daran gefällt: Man hat nicht nur „irgendwie“ mit Menschen und philosophischen Inhalten zu tun, sondern es geht um ganz einschneidende Situationen im menschlichen Leben, um Situationen, in denen Wert, Sinn und Intensität des Lebens spürbarer werden als im Alltag. Menschen an diesen Wendepunkten ein Stück weit begleiten zu können, ist für mich eine sehr schöne Aufgabe und ein Privileg.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie in Ihrer Arbeit oder: Was ist das Besondere an den humanistischen Lebensfeiern?

Das Besondere an den humanistischen Lebensfeiern ist, dass dabei der Mensch im Mittelpunkt steht. Es gibt keine vorgeschriebenen Inhalte oder Handlungen, sondern ich gestalte jede Feier in Zusammenarbeit mit den Eltern, Eheleuten oder Hinterbliebenen individuell nach deren Wünschen, wobei ich auch eine beratende Funktion einnehme. Im Zentrum der Feier und der Rede stehen nicht religiöse oder ideologische Verkündigungen „ex cathedra“, sondern die konkreten Menschen, um die es geht; philosophische oder allgemeinere Gedanken gehören dazu, stehen aber immer in konkretem Bezug zum jeweiligen Menschen. Außerdem spielt Religion auch auf Ebene der weltanschaulichen Grundlagen der Zeremonie keine Rolle. Ich traue also Menschen nicht „vor Gott“, sondern – etwas überspitzt formuliert – sie trauen sich selbst, in freier Entscheidung füreinander und liebvoller Verantwortung voreinander.

Wie läuft das ab, wenn ich jetzt z.B. plane, mein Kind nicht taufen zu lassen, sondern eine humanistische Namensfeier möchte? Wie kann man sich das vorstellen?

Recht unkompliziert. Sie rufen oder mailen mich an, wir sprechen darüber, wir lernen uns unverbindlich persönlich kennen, und dann entscheiden Sie sich. Entscheiden Sie sich für mich als Sprecher, vereinbaren wir einen Termin für das ausführliche Vorgespräch, und die weitere Vorbereitung geht ihren oben beschriebenen Gang.


Auch im humanistischen Radiomagazin sprach Frank Schulze über seine Tätigkeit als Redner für humanistische Lebensfeiern. Hier können Sie den Beitrag hören (ab 00:58).


 

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