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Unbewussten Vorurteilen auf der Spur

Auch wenn wir uns selbst für noch so aufgeklärte Menschen halten: Stereotypes Denken und unbewusste Vorurteile haben massiven Einfluss auf unser Denken und Verhalten. Mit einem neuen mobilen Bildungsangebot decken wir sie auf.

Auch wenn wir uns selbst für noch so aufgeklärte Menschen halten: Stereotypes Denken und unbewusste Vorurteile haben massiven Einfluss auf unser Denken und Verhalten. Mit einem neuen mobilen Bildungsangebot decken wir sie auf.

Als in meinen sozialen Medien vor einiger Zeit ein Trailer zu einem Filmprojekt über das Leben des legendären afghanischen Sängers Ahmad Zahir die Runde machte, überkam mich direkt eine mir ziemlich vertraute Ergriffenheit. Das Projekt, um das es ging, ist ein Dokumentarfilm über den Mann, der die afghanische Popkultur der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts prägte wie kein anderer, und heute, Jahrzehnte nach seinem ungeklärten Tod, immer noch als „afghanischer Elvis Presley“ verehrt wird.

Der Film will dem Zuschauer über die Biographie des Musikers ein Afghanistan-Bild näherbringen, das in den letzten Jahrzehnten medial mit verzerrten Allgemeinplätzen überschrieben wurde. Ahmad Zahir gilt heute noch als nationale Ikone. Seine Musik: eine Melange aus Rock ‘n Roll und Poesie, die generationen- und geschlechterübergreifend berührt und den heutigen Status Quo vergessen lässt. Mit ihr fliehen wir gewissermaßen in eine bessere Vergangenheit. In ein Afghanistan vor dem Krieg.

Granatapfelbäume und ein afghanischer Elvis

Aber was genau hat nun dieser für Sie vermutlich völlig unbekannte afghanische Sänger mit unbewussten Vorurteilen zu tun? Lassen Sie es mich so auflösen: Ahmad Zahirs Musik steht für ein längst verloren gegangenes afghanisches Lebensgefühl, das meine Generation nur aus Erzählungen der Eltern kennt, die lebendige Metropole Kabul in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts aber stark prägte.

Mein Bild von Kabul ist immer noch das der damaligen Stadt. Es ist ein idealisiertes, ja überholtes Bild, das vor allem auf Erzählungen und Erfahrungen von Familienmitgliedern basiert, die von Krieg und Verfall selbst nicht allzu viel mitbekommen haben. Mein Bild von Kabul ist eine Collage aus positiven Vorurteilen über die Heimatstadt meines Vaters, die für mich beispielhaft für ganz Afghanistan steht.

Auch dieses Bild kann man von Afghanistan haben: Blühende Judasbäume vor der Kulisse des Hindukusch, aufgenommen Anfang der 1960er Jahre. Foto: Afghanistan in the early 1960s/flickrcc unter CC BY-NC-ND 2.0

Mein Kabul, mein Afghanistan, das sind Teehäuser, Granatapfelbäume, überfüllte Basare, im Hintergrund die beeindruckenden Berge des Hindukusch und natürlich die Menschen mit ihrer warmen Gastfreundlichkeit und lyrischen Sprache. Mit dem, was man in Zeitungen lesen kann, hat das wenig zu tun.

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Gläserne Wände - Bericht zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland

Nun sind sowohl meine eigene, etwas emotionale Vorstellung einer Stadt wie auch die rationalere, mediale Darstellung geprägt von Vorurteilen. Vorurteile entstehen oft auf der Basis selektiver Wahrnehmung. Sie können glorifizieren oder abwerten – und das kann für uns vollkommen unbewusst passieren. Die boxdesvorurteilens der philoscience gGmbH beschäftigt sich mit genau diesen Phänomenen.

Wahrnehmungsverzerrungen und Schubladendenken

Unser Wahrnehmungsapparat ist im Laufe der Evolution entstanden. Er dient uns zur Orientierung und erlaubt es uns, unsere Umwelt schnell zu begreifen. Dabei bildet er die Welt aber nicht einfach ab – er legt sie für uns aus. Dass er dabei manchmal Fehlentscheidungen aufsitzt und auf Stereotype zurückgreift sowie Kategorisierungen und Schubladendenken begünstigt, müssen wir uns immer wieder aufs Neue bewusstmachen, um unsere unbewussten Vorurteile zu durchschauen.


Unbewusste Vorurteile sind wie Spinnweben des Geistes.


Unbewusste Vorurteile sind wie Spinnweben des Geistes, die unseren Blick verschleiern und Erkenntnis oft den Weg versperren. So ähnlich formulierte es zumindest Sir Francis Bacon in seiner Idolenlehre. Unbewusste Vorurteile sind aber vor allem Wahrnehmungsverzerrungen, über die wir keine Kontrolle haben – sie vollziehen sich eben unbewusst. Die Unmenge an Informationen, die wir über unsere Sinne aufnehmen, wird vom Gehirn zwar automatisch gefiltert, verarbeitet wird aber nur ein Teil davon. Denn unser Gehirn ist effizient: Um Ressourcen zu schonen, orientiert es sich an Mustern, an Bekanntem, Vorwissen oder Erfahrungen. Das Ergebnis eines Wahrnehmungsprozesses stellt es nicht in Frage.

Damit unterlaufen unserem Gehirn fast zwangsläufig aber auch Fehlentscheidungen, wir werden anfällig für Schubladendenken, Kategorisierungen und Stereotypisierungen. Die boxdesvorurteilens entlarvt solche Automatismen unseres Gehirns und deckt anhand von Exponaten, Experimenten und Gruppenübungen auf, wie kognitive Verzerrungen im Gehirn entstehen, wie wir sie erkennen und begreifbar machen können. Auch lernen wir, wie sich unbewusste Vorurteile auf unseren Umgang mit unseren Mitmenschen auswirken können, wie man sein Gehirn eben doch überlisten kann.

Unbewusste Vorurteile verringern – aber wie?

Die Prägungen unseres Gehirns zu überlisten ist schwierig, man braucht dafür Zeit, aber auch ein hohes Maß an Motivation. Wir können jedoch lernen, unsere eigene Wahrnehmung und unsere Entscheidungen zu verstehen und zu reflektieren. Der erste Schritt ist, sich der eigenen unbewussten Vorurteile klar zu werden, denn keiner ist vor ihnen sicher. Es gilt, sich zu hinterfragen und sich zu informieren. Wer für Wahrnehmungsverzerrungen sensibilisiert ist, dem fällt es auch leichter, unbewusste Vorurteile zu erkennen.

In einem weiteren Schritt muss man sich der eigenen Anfälligkeit bewusst werden. Wenn wir wissen, dass wir zum Beispiel in Stresssituationen eher dazu neigen, aufgrund unbewusster Vorurteile zu handeln, können wir dann, wenn es darauf ankommt, reflexhafte Entscheidungen vielleicht vermeiden. Außerdem spielen Perspektiven eine Rolle: Wenn wir uns selbst in eine andere Person hineinversetzen, können wir unsere Umwelt in Konfliktsituationen oder vor wichtigen Entscheidungen aus einem neuen Blickwinkel betrachten.

Aber auch einfaches Beobachten kann helfen: Was sehe ich? Was denke ich? Löst eine Situation emotionale Beurteilungen in mir aus und warum ist das so? Mit diesen Fragen gelingt es auch, individuelle Prägungen – seien sie nun gesellschaftlicher, kultureller oder sozialer Natur – leichter bloßzulegen.

Mit der boxdesvorurteilens können Sie Wahrnehmungsverzerrungen und Automatismen des Gehirns auf anschauliche Art begreifbar machen. Die Box ist flexibel in Seminaren, Workshops, Projektwochen oder Diversity-Trainings einsetzbar.

DIE BOX DES VORURTEILENS
Dauer: 2-4 Stunden, Aufbauzeit: 15 Minuten, Vorbereitungszeit der Moderation für die Gruppenübungen: 30-45 Minuten Alter: ab 16 Jahren Buchung und Kontakt: mobil@philoscience.de oder 0911 944328

Aber wohl am wichtigsten: Seien Sie neugierig und suchen Sie den Kontakt. Begeben Sie sich bewusst in Situationen, in denen Sie Mitglieder Ihnen „fremder“ Gruppen treffen. Suchen Sie das Gespräch, tauschen Sie sich aus. Mit der boxdesvorurteilens lernen Sie, in sich hinein zu schauen, um eigene festgefahrene Denkmuster zu erkennen, zu verringern und hoffentlich sogar zu überwinden.

Und auch positive Vorurteile sind es wert, hinterfragt zu werden. Denn obwohl ich das anfangs beschriebene, beschönigende Bild eines Ortes in mir trage, möchte ich gleichzeitig dessen Realität, eine auf vielen Ebenen erschütternde Realität, anerkennen.

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