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Fünf nach Zwölf

Die Klimakrise steht nicht vor der Tür unserer Zukunft, sie ist bereits Teil unserer Gegenwart. Auch humanistische Organisationen setzen sich deshalb seit langem dafür ein, dass die schlimmsten Folgen abgewendet werden.

Foto: Extinction Rebellion Deutschland / CC BY 4.0

Dieser Text ist Teil von humanistisch! Das Magazin, Ausgabe 1/2020.

Es ist der 7. Oktober im Jahr 2019, ich stehe zur Mittagszeit auf der Wiese neben dem Bundeskanzlerinnenamt in Berlin. Hinter mir liegt das Reichstagsgebäude, an der Straße vor dem Platz der Republik parkt eine Wagenkolonne der Polizei, zahlreiche Beamte in voller Einsatzmontur daneben, die Umgebung konzentriert unter Beobachtung.

Der Anlass dafür zieht in diesem Moment langsamen Schritts auf einem Fußweg Richtung Brandenburger Tor  vorbei: Vierzehn Personen, Frauen und Männer, jüngere und ältere, in leuchtend roten Schleiergewändern. Die Gesichter weiß, die Augen und Brauen schwarz geschminkt. Die Gruppe geht paarweise, sie halten sich an den Händen, die Blicke melancholisch nach vorne gerichtet. Im Hintergrund füllt ein Glockenspiel die Atmosphäre. Das Geläut kommt vom Haus der Kulturen der Welt, finde ich später heraus, doch in diesem Moment komplettiert es das Schauspiel. Ein Schleier der Surrealität legt sich mit der ungewöhnlichen Prozession über den lärmenden Alltag dieses Montags im Regierungsviertel der Bundeshauptstadt. Läge der Himmel in diesem Moment gewitterdüster über mir statt hellblau mit weißen Wolken, die Szenerie wäre perfekt gelungen, um sensibleren Gemütern Angst zu machen.

Die rotverschleierte Gruppe, die für manche einer radikalen Glaubensgemeinschaft oder einem Endzeitfilm bzw. beidem zugleich entsprungen wirken mag, ist die „Red Rebel Brigade“ – und tatsächlich schlicht und einfach: Perfomancekunst, die Aufsehen erregen will, für die Anliegen eines Netzwerks namens „Extinction Rebellion“. Dieses hatte Anfang Oktober zu einem „Aufstand gegen das Aussterben“ in Berlin und zivilem Ungehorsam durch Straßenblockaden aufgerufen.

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Mehrere Tausend folgten dem Ruf, unter ihnen auch Persönlichkeiten wie die als Seenotrettungs-Kapitänin bekannt gewordene Aktivistin Carola Rackete und die Schriftstellerin Stefanie de Velasco, bekannt für ihren 2017 verfilmten Roman „Tigermilch“.

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