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„Mubarak, du bist nicht allein“

Seit 100 Tagen befindet sich der nigerianische Humanist Mubarak Bala in Haft. Mit einer Solidaritätsadresse wendet sich Wole Soyinka an seinen inhaftierten Freund.

Seit 100 Tagen befindet sich Mubarak Bala, Präsident der Humanistischen Vereinigung Nigerias in Haft. Humanist*innen in aller Welt setzen sich derzeit für die Freilassung Balas ein. Eine Solidaritätsadresse kam nun auch von Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka. Seinen Brief an Mubarak Bala dokumentieren wir hier.

Wole Soyinka wendet sich mit einem Brief an den inhaftierten Mubarak Bala. Foto: Frankie Fouganthin/wikicommons

Lieber Mubarak,

ich schreibe dir heute, an diesem Tag, dem hundertsten Tag deiner Inhaftierung an einem unbekannten Ort, ohne Zugang zu Anwälten, deiner Frau und deinem neugeborenen Sohn.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind in einem Zustand harmonischer Koexistenz lebte, der im heutigen Nigeria fast vergessen ist, da die Plage des religiösen Extremismus überhand genommen hat. Wir beide haben versucht, die Vorherrschaft des religiösen Jingoismus herauszufordern. Als Menschenrechtsaktivist standest du ein für die Freiheit des Glaubens und der Meinungsäußerung, und du bist dabei zum Präsidenten der edlen Institution herangewachsen, die die Humanistische Vereinigung Nigerias heute ist.

Trotz aller Gefahren bist du in deinen Überzeugungen standhaft und deinen Werten treu geblieben. Du hast gelebt. Du hast dich gegen eine Welle religiösen Imperialismus‘ gestellt. Du hast für die gesamte Menschheit gekämpft, für eine bessere und gerechtere Welt für alle. Du hast dich nicht jenen angedient, die das meiste Geld besitzen. Du hast dich nicht ihrem Druck gebeugt, unsichtbare Gottheiten anzubeten.

Es ist kaum zu glauben, dass manche Religiöse immer noch eine solche Ehrfurcht verlangen und dabei versuchen, unser individuelles Verhalten zu kontrollieren. Sehen sie nicht, wie sinnlos das ist? Wie kommen sie darauf, dass sie technischen Fortschritt bremsen und unseren kritischen Verstand in Schranken halten könnten? Ich fürchte, wenn sie der Sinnlosigkeit gewahr werden, geraten wir alle bald in eine Spirale von Repressalien, in der ein vernünftiger Dialog nicht mehr möglich sein wird.

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Als ich 2014 auf dem Welthumanistenkongress den Internationalen Humanistenpreis entgegennahm, sprach ich über den Konflikt zwischen Humanisten und „Religionisten“; einen Konflikt der Aufklärung gegen die Ketten der Versklavung. Deine willkürliche Isolationshaft in den letzten 100 Tagen zeigt die grausame Realität dieses Konflikts. Allzu oft führen diese Ketten der Versklavung direkt an den Galgen oder in eine Gefängniszelle.

Helfen Sie Mubarak Bala, helfen Sie Humanist*innen in Gefahr! Am 21. Juni haben die Humanists International die Hilfskampagne Protect Humanists at Risk lanciert. Hier können Sie die Kampagne unterstützen.

Ich stelle mir vor, wie du in deiner Zelle auf und ab gehst, genau wie ich es getan habe. Mit jedem Tag, der vergeht, fühle ich die zusätzliche Belastung. Aber ich weiß auch, dass du mit jedem Tag, der vergeht, immer neue Reserven aktivieren wirst – Reserven, die du immer für endlich gehalten hast – und eine Stärke entdecken wirst, von der du nie zu träumen gewagt hättest.

Ich schreibe dir heute, um dir zu sagen, dass du nicht allein bist, sondern dass es auf der ganzen Welt eine ganze Gemeinschaft gibt, die dir zur Seite steht und für dich kämpfen wird. Wir werden nicht ruhen, bis du frei und in Sicherheit bist.

Dein Freund,
Wole Soyinka

Wole Soyinka ist nigerianischer Dramaturgist und Schriftsteller. 1986 erhielt er als erster afrikanischer Autor überhaupt den Literaturnobelpreis. Soyinka hat sich nie gescheut, Missstände offen zu kritisieren. 1967 wurde er deswegen für fast zwei Jahre inhaftiert, ehe eine internationale Kampagne seine Freilassung bewirkte. Sein Brief an Mubarak Bala erschien zuerst bei den Humanists International.

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