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Satellitenbilder dokumentieren aggressiven Humanismus

Das jüngste und vielleicht bekannteste Wahrzeichen der thüringischen Gemeinde Bornhagen ist nun auch auf den Aufnahmen bei Google Earth zu sehen. Und es soll noch solange dort bleiben, wie der berüchtigtste Einwohner des Ortes in der Politik mitmischt.

Das jüngste und vielleicht bekannteste Wahrzeichen der thüringischen Gemeinde Bornhagen ist nun auch auf den Aufnahmen bei Google Earth zu sehen. Und es soll noch solange dort bleiben, wie der berüchtigtste Einwohner des Ortes in der Politik mitmischt.

Bild: ZPS

Nicht nur die New York Times berichtete, Schlagzeilen gab es auch beim Guardian, CNN und EuroNews: Internationale Bekanntheit hat der Name des nur etwas mehr als 300 Einwohner*innen zählenden Örtchens Bornhagen durch 24 graue Stelen erhalten, die dort im Herbst 2017 durch das Künstler*innenkollektiv des Zentrums für politische Schönheit (ZPS) errichtet worden sind. Gut sichtbar direkt neben dem Grundstück und Haus des AfD-Politikers Björn Höcke stehen sie seitdem als verkleinerte Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals. Höcke hatte dieses zuvor als „Denkmal der Schande“ im Herzen der deutschen Hauptstadt bezeichnet und in dem Zusammenhang eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert. Unter anderem Vertreter*innen des Judentums verurteilten Höckes Rede als „völkische Hetze“ und „unerträglich“. Mittlerweile ist das junge, aber vielleicht bekannteste Wahrzeichen Bornhagens auch auf Satellitenbildern bei Google Earth zu sehen.

Das ZPS-Kunstprojekt traf auf zivilgesellschaftlicher Seite auf deutlich größere Unterstützung als zunächst erwartet. Ein zur Finanzierung des Projekts für die Dauer eines Jahres durchgeführtes Crowdfunding erreichte ein Mehrfaches der veranschlagten Summe von knapp 30.000 Euro.

Es führte aber auch zu Morddrohungen gegen die ZPS-Aktivist*innen aus dem Kreis der Höcke-Sympathisant*innen. Bundesweite Bekanntheit erlangte in Folge der Aktion zudem der rechtsextreme und AfD-nahe damalige Sprecher der Staatsanwaltschaft in Gera, Martin Zschächner. Im Frühjahr 2019 stellte sich heraus, dass Zschächner ein Ermittlungsverfahren gegen das ZPS wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung eröffnet und 16 Monate geleitet hatte – nur kurze Zeit, nachdem das ZPS durch Höcke in einer Reaktion auf das Kunstprojekt als solche bezeichnet worden war. Wohl aufgrund dieses Verfahrens wurde der Philosoph und ZPS-Chefunterhändler Philipp Ruch nach einer Intervention des Bundesinnenministeriums vom Kongress der Bundeszentrale für politische Bildung im März 2019 ausgeladen. Zschächner wurde im Ergebnis versetzt, das Verfahren gegen das ZPS durch die Geraer Oberstaatsanwaltschaft eingestellt.

Konzeptionell zielt das ZPS mit seinen Projekten auf die Formation eines „aggressiven Humanismus“. Ruch präzisierte dies in einem Interview 2013 so: „Aggressiv meint tatsächlich, nicht aufzugeben. Hartnäckigkeit braucht aber auch eine Reflexion der Mittel“, sagte er. Was das Bornhagener Holocaust-Mahnmal neben Höckes Haus angeht, ist das Konzept wohl voll aufgegangen. Denn wie Ruch auf Anfrage mitteilte, wird das Mahnmal voraussichtlich noch einige Jahre lang seine wichtige Funktion erfüllen können. „Wir hatten eigentlich mal sieben Jahre zugesichert, aber ich denke, solange Höcke eine Rolle spielt, wird es da stehen bleiben“, so Ruch.

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