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Gläserne Wände - Bericht zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland

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Garten gegen Gärtner

Mit den Radieschen keimt die Hoffnung: Die Corona-Krise entfacht ungeahnte gärtnerische Leidenschaften. Unser Corona-Tagebuch.

Seit die Pandemie uns alle dazu zwingt, viel mehr Zeit zuhause zu verbringen, bin ich ja viel öfter in unserem Garten. Wir sind in der Tat in einer sehr glücklichen Situation: Allen Ausgangsbeschränkungen zum Trotz können wir immer ins Freie. Selbst wenn uns der Bannstrahl der Quarantäne träfe, könnten wir trotzdem stets an die frische Luft. Für uns, für mich ist das eine gute Nachricht – für unseren Garten nicht unbedingt.

Seit wir vor rund zehn Jahren unser Häuschen bezogen haben, versuchen wir den paar Quadratmetern Grün um uns herum irgendeinen Ertrag abzuringen, Bohnen, Erbsen, Paprika, egal was, solange es nur nicht Efeu oder Giftpilze sind. Früchte getragen haben unsere Anstrengungen nur lächerlich wenige. Was wir vor allem ernten, ist Mitleid.

Zugegeben, der Rosmarinstrauch an der Westseite hat mittlerweile so kolossale Ausmaße angenommen, dass selbst unsere kritischste Besucherin (meine Mutter) begeistert vor ihm stehen bleibt. Seit mir versehentlich eine Packung Samen aus der Hand gerutscht ist, wuchert mitten in der Wiese außerdem würziger Rucola – mir scheint, sehr zum Missfallen unseres Nachbarn, der um seinen penibel getrimmten Rasen nebenan fürchtet. Ansonsten wächst eigentlich nichts dort, wo es wachsen soll. Aus den Beeten sprießt das Gras, das dem Rasen fehlt. Wilde Erdbeeren spitzen aus Fugen hervor, der Thymian gibt den Oskar mit seiner Trommel und bleibt wie aus Protest standhaft klein. Den meisten anderen Kräutern und Gemüsepflanzen hingegen haben über kurz oder lang ihre natürlichen Feinde zuverlässig den Garaus gemacht. Die natürlichen Feinde, das sind: Schnecken, Mäuse, verschiedene Insekten und ich, der Gärtner.

Schwer zu sagen, woran das Grünzeug in den letzten Jahren am meisten litt. Vermutlich waren es Vernachlässigung und mein grundsätzlicher Unwille, mich eingehender mit den Bedingungen auseinanderzusetzen, unter denen es gedeihen sollte.

Seit der Corona-Krise ist alles anders. Mit jedem Tag, den wir zuhause verbringen, wächst meine Leidenschaft für Subsistenzwirtschaft. Ich habe den Boden umgegraben und zur großen Freude unsere Töchter mit Pferdemist gedüngt. Vornehm ausgedrückt: Es riecht in unserem Garten jetzt nach Stall. Weil ich mir außerdem überlegt habe, dass der sandige Nürnberger Boden wohl nur wenig Wasser speichert und gerade die Keimlinge deshalb wohl besser nicht sich selbst überlassen werden sollten (dieses Aufzuchtprinzip funktioniert schon bei Reptilien nur unter großen Verlusten), gieße ich regelmäßig. Und siehe da: Schon keimen sie, die ersten Radieschen – und mit ihnen die Hoffnung, dass wir doch noch unseren Frieden machen. Ich und unser Garten.

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