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Historiker sieht keine positive „jüdisch-christliche Tradition“

Der österreichische Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici hat im Deutschlandfunk dafür plädiert, die freie Gesellschaft Europas zu verteidigen. Dafür sei gegen Rassismus und Antisemitismus auf allen Ebenen zu kämpfen, Abendland-Rhetorik hält er für einen Irrweg.

Rabinovici sagte, aus seiner Sicht werde die Rede vom jüdisch-christlich geprägten Abendland „hervorgeholt um eigentlich das zu tun, was eine jüdisch-christliche Tradition jahrhundertelang verhindert hat. Es war keine jüdisch-christliche Tradition. Es war eine Tradition gegen den Juden als Außenseiter. Durch Jahrhunderte hindurch zieht sich wie ein roter Faden, wie eine Blutspur, der Hass gegen die Juden. Das ist es. Und nun ist es so, dass im Namen der Aufklärung das Abendland gegen den Islam, das jüdisch-christliche Abendland, das es so gar nicht gegeben hat, gegen den Islam in Stellung gebracht werden soll.“

Die in einer Koalition mit der Österreichischen Volkspartei regierende FPÖ bewege sich nach seiner Beobachtung in einer deutschnationalen Tradition, als ob es den Nationalsozialismus nie gegeben hätte. Demgegenüber stelle er ein freies Denken, das von keiner Religion bestimmt werde.

„Wenn wir die freie Gesellschaft verteidigen wollen, dann müssen wir auf mehreren Seiten zugleich kämpfen und zwar gegen Rassisten und Antisemiten auf allen Ebenen. Wir können es uns nicht aussuchen. Wir können nicht mit dem einen Antisemitismus Frieden schließen, um gegen den anderen zu Felde zu ziehen. In dem Moment, wo ich sage: ‚der Islam‘, ‚die Muslime‘, spiele ich das alte Spiel, das ich gegen die Juden gespielt habe, weiter. Ich pauschalisiere. Und ich sehe die Welt aufgeteilt in ethnische oder religiöse Gruppen“, sagte Rabinovici weiter.

Er ist überzeugt, Menschen mit jüdischen Wurzeln würden von der Abendland-Rhetorik nicht profitieren. Rabinovici meint vielmehr, dass „alle jene, die glauben: Na ja, jetzt aber sind die Juden auf der Butterseite, die irren sich. Sie irren sich deswegen, weil in einem Europa, das wieder Abendland werden möchte, werden alle Minderheiten letztlich in ihrer Freiheit eingeschränkt werden.“ Für die Menschenrechte würde solch eine Entwicklung wie „Flächenbombardements“ wirken, so Rabinovici.

Den gesamten Beitrag (6m:42s) können Sie hier unten direkt nachhören.

Zur Sendung auf deutschlandfunk.de…

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