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„Kulturkampf ist Wahnsinn“

In Bayern gilt seit Juni ein Kreuze-in-alle-Behörden-Erlass. Kurz zuvor hat ein Berliner Gericht geurteilt, dass Lehrerinnen keine Haarverhüllungen aus weltanschaulichen Motiven tragen dürfen. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes fordert sogar ein Kopftuch-Verbot für Mädchen. Sieht so eine freiheitliche Gesellschaft in einem weltanschaulich neutralen Europa aus? Hören wir authentische Stimmen mit und ohne religiösem Hintergrund bei einem fiktiven Besuch im Café Feuerbach in München.

Dieser Text ist Teil von humanistisch – Das Magazin, Ausgabe 2/2018.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten einer Besucherin von außerhalb Europas Gründe begreifbar machen, warum man bei uns ständig neue Debatten um Kreuze, Kopftücher oder auch Kippot erlebt. Wie kann einer völlig außenstehenden Person erklärt werden, warum in Bayern in staatlichen Gebäuden Kreuze hängen (sollen), warum Lehrkräfte in Berlin keine Tücher ums Haar tragen dürfen und worum es bei der Diskussion über ein Kopftuch-Verbot für Mädchen unter 14 Jahren geht?

Nehmen wir an, ein Besucher von einem anderen Planeten kommt aus Forscherneugier in die bayerische Landeshauptstadt, dem Geburtsort des jüngsten Kreuze-Erlasses. Der Besucher nennt sich Axomio Dioolm Attitodamesal Qa, kurz Qa*. Natürlich hat das Forschungskollegium um Qa bereits aus der Distanz viel Wissen über die Menschheit gesammelt. Doch immer noch gibt es viele Fragen zum menschlichen Verhalten. Vielleicht hilft der direkte Kontakt weiter?

*Axomio Dioolm Attitodamesal Qa ist eine lautmalerische Übersetzung des eigentlichen Namens, der für Menschen aber nicht sprechbar ist, da Qas Spezies einen völlig anderen Frequenzbereich zur akustischen Kommunikation nutzt. Qa ist für uns auch nicht als Alien zu erkennen, denn zur Feldforschung nutzt die Spezies Avatare, die ein menschliches Erscheinungsbild perfekt imitieren. Qas Wissenschaftskollegium ist mit der Erforschung der Menschheit beauftragt und Qa steuert den Avatar von einem hinter dem Mond versteckten Forschungsschiff. Das weitgereiste Forschungsteam hält das für die in jeder Hinsicht sicherere Methode, für sich selbst und für die Menschheit, die bisher nichts von der Existenz ihrer Art weiß.

Für die Feldstudie vor Ort hat sich unser Gast für einen Besuch im Café Feuerbach in der Münchner Elvirastraße entschieden. Dort angekommen trifft Qa auf eine illustre Runde.

Im Gespräch an einem der Tische sind die Politologin und Redaktionsleiterin für die Deutschlandfunk-Sendereihe „Tag für Tag“ Christiane Florin, der Religionswissenschaftler und Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg Michael Blume sowie die Journalistin Cigdem Toprak und der humanistische Philosoph Frieder Otto Wolf.

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Qa lässt den Avatar freundlich grüßend hinzutreten. Der Avatar stellt sich als Michaela Schmidt-Solms vor und fragt, was das Motiv für den bayerischen Kreuzerlass sein könnte, von dem die Zeitungen berichten.

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