Anzeige

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in Hamburg gegründet

Zehn Vereine aus der Hansestadt haben gestern im Rahmen einer Fachtagung zum umstrittenen Schwangereninformationsverbot aus Paragraph 219a StGB ein Landesbündnis für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ins Leben gerufen. Die Pro-familia-Landesvorsitzende Kersten Artus kündigte außerdem an, dass im Bundesland Verhütungsmittel künftig kostenfrei ausgegeben werden können.

Die Debatte um die Paragraphen 218 und 219 sei überideologisiert und werde in Teilen falsch und mitunter verlogen geführt, sagte Kersten Artus von Pro familia Hamburg zum Abschluss der Fachtagung „Schwangerschaftsabbrüche: Weg mit der Kriminalisierung, hin zur sexuellen Selbstbestimmung“. Doch nicht nur die radikalen Abtreibungsgegnerinnen und -gegner würden sich vernetzen und in den Parlamenten formieren, sondern ebenfalls die Verfechter des Rechts auf Selbstbestimmung, so Artus weiter. Die Bündnisse gegen die politische und gesellschaftliche Einflussnahme reaktionärer Netzwerke würden größer und stärker, sagte die Landesvorsitzende. Sie betonte, dass man beim Eintreten für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in der Bevölkerung Mehrheiten hinter sich habe. „Wir gehen von uns aus in die Offensive und sagen, wir sind hier und wir sind laut.“

Kersten Artus: „Unser Wunsch ist es, dass das ein Auftakt für Hamburg und eine Anregung auch für Aktivistinnen in anderen Städten ist, ähnliche Veranstaltungen zu organisieren.“ Foto: Ada von der Decken

Das neue Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Hamburg wird bisher von zehn Vereinen und Verbänden getragen: der AIDS-Hilfe Hamburg, dem Familienplanungszentrum Hamburg, Pro familia Hamburg, der Interkulturellen Begegnungsstätte IKB, der „Mädchenoase“ des Vereins Dolle Deerns, dem Mädchentreff Schanzenviertel sowie dem Verbund Hamburger Frauen und Mädcheneinrichtungen pro:fem, dem Lesbenverein Intervention, dem Bibliothek-Archiv-Videoarchiv-Café Denktraeume und Waage e.V., einem Fachzentrum für Essstörungen.

Die Fachtagung bescherte dem Pro-familia-Zentrum am Hafen ein volles Haus. Foto: Pro familia Hamburg

Pro familia Hamburg und das Familienplanungszentrum Hamburg hatten zu der Tagung eingeladen, um den fachlichen Diskurs zum bisherigen Schwangereninformationsverbot zu vertiefen und um einen Beitrag für eine qualifizierte Debatte und zur Abschaffung des Verbots zu leisten. „Die Protestbewegung gegen den Paragraphen 219a StGB, die durch die Petition von Kristina Hänel entfacht wurde, hat eine enorme Kraft entwickelt“, hieß es dazu. Die durch das Gießener Urteil bundesweit bekannt gewordene Fachärztin Kristina Hänel war eine der insgesamt fünf Expertinnen und stellte unter anderem ihre Einschätzung der aktuellen Situation von angezeigten Ärztinnen und Ärzten vor. Bei der Fachtagung wurde auch die internationale Lage in den Blick genommen.

Kersten Artus gab außerdem bekannt, dass es in Hamburg zukünftig öffentliche Mittel für eine kostenfreie Abgabe von Verhütungsmitteln geben wird. Die kostenfreie Verteilung sei bereits in vielen anderen Bundesländern möglich. Dass es in Hamburg bisher noch keine kostenfreie Abgabe gegeben hat, bezeichnete Kersten Artus als „etwas peinlich“. Nun endlich werde die langjährige Forderung danach umgesetzt.

Logo Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Hamburg ist das dritte Regionalbündnis unter diesem Namen in Deutschland. In Berlin wurde ein Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung vor fünf Jahren ins Leben gerufen, um unter anderem gegen die zunehmende Stimmungsmache reaktionärer Netzwerke für eine stärkere Kriminalisierung des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs einzutreten. Das Berliner Bündnis wird von rund 30 Organisationen unterstützt. Zu den Forderungen gehört unter anderem der uneingeschränkten Zugang zu einem legalen Schwangerschaftsabbruch und die Streichung des Paragraphen 218 aus dem Strafgesetzbuch sowie  „soziale und ökonomische staatliche Unterstützung und die notwendige Infrastruktur für alle, die sich für ein Kind entscheiden, damit sie ihre eigene Lebensplanung aufrecht erhalten können“. Im vergangenen Jahr hatte sich ein Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in Münster formiert und zuletzt im März Veranstaltungen gegen einen „1000-Kreuze-Marsch“ christlicher Fundamentalisten organisiert.

Anzeige
Hinweise zum Datenschutz

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.