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USA: Humanistische Kongress-Abgeordnete bilden eigene Parlamentariergruppe

Vier Abgeordnete der insgesamt 435 Mitglieder des US-Repräsentantenhauses haben erstmals seit dessen Bestehen eine eigene humanistische Parlamentariergruppe (Caucus) gebildet. Jared Huffman, Jamie Raskin, Jerry McNerney und Dan Kildee gründeten am Montag den Congressional Freethought Caucus, um gemeinsam für säkulare Werte und aufklärerisches Denken einzutreten.

Das Kapitol in Washington, D.C., Sitz des US-Repräsentantenhauses. Foto: Eigenes Werk / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Das Kapitol in Washington, D.C., Sitz des US-Repräsentantenhauses. Foto: Eigenes Werk / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Vier Hauptziele habe der Congressional Freethought Caucus, hieß es in einer offiziellen Mitteilung des demokratischen Abgeordneten Jared Huffman (Kalifornien): Politik machen auf Basis von Vernunft; Wissenschaft und moralische Werte fördern und die säkulare Natur der Regierung durch Bewahrung des Verfassungsprinzips der Trennung zwischen Staat und Religion bewahren; sich der Diskriminierung von humanistischen und nichtreligiösen Personen entgegenstellen und die Gedanken- und Gewissensfreiheit weltweit verteidigen sowie ein Forum für Kongressmitglieder bilden, die ihre Wertegerüste, ethischen Auffassungen und persönlichen weltanschaulichen Entwicklungen diskutieren möchten.

Jared Huffmann. Foto: US Government / Wikimedia Commons / gemeinfrei
Jared Huffmann. Foto: US Government / Wikimedia Commons / gemeinfrei

Der neue Caucus solle helfen, einen offenen Dialog über wissenschafts- und vernunftbasierte politische Lösungen zu entzünden, sagte der Abgeordnete Huffmann dazu. Die Gründung des Caucus sei nicht nur von besonderer Wichtigkeit, weil es derzeit kein so profiliertes Forum gebe, sondern auch, weil andere Angehörige des US-Kongresses daran arbeiteten, die Trennung zwischen Staat und Religion zu erodieren, so Huffman weiter.

So waren erst heute Pläne von US-Präsident Donald Trump bekannt geworden, eine neue Initiative zur Förderung der Rolle von Religionsgemeinschaften für die Regierungspolitik zu unterstützen. In einem entsprechenden Erlass heißt es, glaubens- und gemeinschaftsbasierte Organisationen, die den Grundpfeiler der US-Gesellschaft bilden, sollen starke Anwälte im Weißen Haus und in der Regierung haben. Den Erlass will Trump in Kürze im Rahmen einer Zeremonie unterzeichnen, zu der Vertreter von 200 religiösen Gemeinschaften erwartet werden.

Der Abgeordnete Jamie Raskin (Maryland) erinnerte daran, dass der US-Verfassung das Prinzip der Neutralität in religiösen Belangen von den Gründungsvätern der Vereinigten Staaten in die Wiege gelegt wurde. Raskin verwies auf die lange Tradition US-amerikanischer Präsidenten von Thomas Jefferson und Abraham Lincoln über Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy, die für Religionsfreiheit sowie die Freiheit von Religion als bedeutendem Recht jedes Individuums eingetreten waren.

Der ebenfalls in Kalifornien gewählte Abgeordnete Jerry McNerney sagte: „Als Mitgründer des Freethought Caucus glaube ich stark an die Trennung zwischen Kirche und Staat, und als Wissenschaftler sehe ich klar die Notwendigkeit, rationale Entscheidungsfindung in den Kongress einzubringen für das Wohl unserer Nation.

Die Zahl der nichtreligiösen Bürgerinnen und Bürger in den Vereinigten Staaten wächst langsam, aber stetig. Studien und repräsentativen Umfragen zufolge fühlt sich ein Viertel der US-Einwohner keiner Religion verbunden, rund sieben Prozent bezeichnen sich als atheistisch. Die Mehrheit dieser Konfessionsfreien teilt humanistische Lebensauffassungen.

Roy Speckhardt. Foto: AHA
Roy Speckhardt. Foto: AHA

Die Gründung des Caucus geht auch auf Unterstützung durch die American Humanist Association (AHA) und die Skeptiker-Organisation Center for Inquiry (CFI) zurück. Dort zeigte man sich darum hocherfreut über die offizielle Bildung der neuen Parlamentariergruppe. Die alleinige Existenz dieses Caucus für Freidenker und Humanisten sei ein Zeichen, wie weit die Bewegung für die Gleichheit von säkularen und nichtreligiösen Menschen im Land mittlerweile gekommen ist, sagte AHA-Direktor Roy Speckhardt. Es sei außerdem ein signifikanter Schritt für einen Neuanfang in einem Land, in dem religiöse und nichtreligiöse Führungspersönlichkeiten für eine bessere Nation arbeiten, so Speckhardt weiter.

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