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World Humanist Congress 2017 in Brasilien

Anfang August nächsten Jahres wird im brasilianischen São Paulo das weltweit größte regelmäßige Treffen von konfessionsfreien Menschen stattfinden. Die 20. internationale Konferenz unter Schirmherrschaft der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) findet unter dem Titel „Herausforderungen der Trennung zwischen Kirche und Staat begegnen“ statt.

Foto: Diego Torres Silvestre / Flickr CC BY 2.0
Die IHEU-Konferenz 2017 wird im Zentrum der 11,5-Millionen-Metropole São Paulo stattfinden. Foto: Diego Torres Silvestre / Flickr CC BY 2.0

Die Konferenz vom 3. bis 6. August 2017 in São Paulo wird von der Liga Humanista Secular do Brasil (LiHS, Liga der säkularen Humanisten Brasiliens) ausgerichtet, unterstützt durch die IHEU. Zum ersten Mal hatte im Jahr 2012 eine von der LiHS organisierte Konferenz brasilianischer Atheisten und Agnostiker in dem südamerikanischen Land stattgefunden. Wie immer wird es auch im nächsten Jahr eine Vielzahl hochkarätiger Referenten und wertvolle Diskussionen und Workshops geben, deren Schwerpunkte auf sowohl der Entwicklung von praktischem Humanismus wie auch dem Umgang mit übergriffiger oder repressiver Religion liegen werden.

Brasilien hat eine stark religiöse Gesellschaft. Acht Prozent der knapp 205 Millionen Einwohner gaben im Zensus 2010 an, konfessionsfrei zu sein und keiner Religionsgemeinschaft anzugehören. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung bekennen sich zur katholischen Kirche, etwa ein Viertel sind Protestanten, daneben gibt es zahlreiche religiöse Minderheiten wie Zeugen Jehovas, Mormonen, Buddhisten, Juden, Muslime und Anhänger indigener Glaubensrichtungen.

Den Herausforderungen der Trennung zwischen Kirche und Staat zu begegnen, habe eine dringende und enorme Bedeutung für Brasilien, angesichts religiöser Konflikte aber auch für den Rest der Welt, heißt es bei der LiHS zum Titel des 20. World Humanist Congress. In Brasilien seien die Problemfelder zahlreich: religiöse Veranstaltungen im staatlichen Parlament, ein starker Druck zur Erhöhung des politischen Einflusses und zur Ausweitung von Steuererleichterungen seitens religiöser Organisationen und staatliche Finanzierung religiöser Denkmäler seien nur Beispiele dafür, so die LiHS, die unter anderem durch die bekannte brasilianische Richterin Maria Berenice Dias, den Politiker und Schriftsteller Jean Wyllys sowie die Anthropologin Debora Diniz unterstützt wird. Präsidentin der 2010 gegründeten Organisation brasilianischer Humanisten ist die Philologin Asa Heuser.

Die Prägung der Politik und Gesetze durch christliche Glaubensdogmen zeigt sich unter anderem auch an einem rigiden Verbot des Abbruchs ungewollter Schwangerschaften, die in dem Land nur bis auf wenige Härtefälle illegal sind. Vor allem arme Frauen müssen wie in anderen Ländern mit ähnlichen Regelungen meist unter fatalen hygienischen Bedingungen und ohne professionelle medizinische und psychologische Unterstützung Abtreibungen durchführen lassen. Im Bereich der schulischen Wertebildung hat sich die Lage des Rechts auf Glaubens- und Gewissensfreiheit in den letzten Jahren enorm verschlechtert, seit nach zehnjähriger Diskussion Religionsunterricht auf Druck kirchlicher Gruppen als Pflichtfach eingeführt worden war.

Weitere Informationen zur IHEU-Konferenz 2017 werden in den nächsten Wochen auf whc2017.com.br erscheinen.

Zu den bekannteren Sprechern auf dem 20. World Humanist Congress im Rebouças Convention Center  werden unter anderem der Philosoph Daniel C. Dennett, der Astronom und Kosmologe Marcelo Gleiser, die Neuro-Wissenschaftlerin Suzana Herculano-Houzel sowie der Internetaktivist Faisal Saeed Al Mutar zählen. Nicht zuletzt ist eine Hoffnung, dass von der internationalen Versammlung starke Impulse für den gesamten südamerikanischen Kontinent ausgehen können. In jedem Fall wird die IHEU-Konferenz wie immer ein idealer Ort sein, um Humanistinnen und Humanisten aus anderen Ländern zu begegnen, Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen.

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