AnzeigeGläserne Wände - Bericht zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland

Historiker Stamm-Kuhlmann für Religionsunterricht an Schulen

Es gebe keinen besseren Schutz gegen Fundamentalismus als die Einbettung religiöser Bildungsangebote in das staatliche Schulsystem, meint der Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann.

Diesen Standpunkt vertritt der Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit und Dekan der Philosophischen Fakultät an der Universität Greifswald in einer Analyse zum Thema „Integration und Ansiedlung“. Der Aufsatz ist in der aktuellen Ausgabe des humanistischen Magazins „diesseits“ erschienen. Stamm-Kuhlmann setzt sich darin mit historischen Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsdebatte auseinander und geht der Frage nach, wie in den vergangenen 200 bis 300 Jahren im Gebiet des heutigen Deutschlands Flüchtlingspolitik betrieben wurde.

Foto: © Presse / Universität Greifswald
Thomas Stamm-Kuhlmann. Foto: © Presse / Universität Greifswald

Dabei geht er auch auf die Rolle eines staatlich geförderten religiösen Bildungssystems ein. „Wer die Auswirkungen der Fortexistenz staatlicher theologischer Fakultäten in den letzten zweihundert Jahren studiert hat, kommt zu dem Schluss, dass es keinen besseren Schutz gegen Fundamentalismus gibt als dieses staatliche religiöse Bildungssystem,“ schreibt der Historiker.

Bemerkenswert ist Stamm-Kuhlmanns Einschätzung auch insofern, da sich der Historiker in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Ende Dezember 2011 als Sympathisant des säkularen und laizistischen Flügels der SPD, deren Mitglied er ist, geäußert hatte. Er zählt außerdem zu den Unterstützern einer vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Initiative für einen „Arbeitskreis HumanistInnen und Konfessionsfreie in der SPD“, mit der Parteimitglieder unterschiedlichen Bekenntnisses und ohne Bekenntnis eine Anerkennung gleichberechtigt zu den religiösen Arbeitskreisen in der SPD erreichen wollen.

Zu den aktuellen Herausforderungen gebe es keine einfachen und vor allem auch keine gesetzlich festschreibbaren Lösungen, resümiert Stamm-Kuhlmann. Von Masterplänen sei  „nichts zu erwarten und ebenso nichts von gesetzlich vorgeschriebenen Lippenbekenntnissen. Die Lösungen können nur kleinteilig sein und müssen Angebotscharakter haben. Findigkeit an vielen Stellen ist gefragt.“

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