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Schulgottesdienste fördern die Gemeinschaft – nur für Gläubige

„Schulgottesdienste vermitteln religiöse Erfahrungen, die den Religionsunterricht und das Schulleben sinnvoll ergänzen.“ So heißt es im Erlass des Schulministeriums Nordrhein-Westfalen (NRW) zum Schulgottesdienst vom Juni 2016. Aber solch eine „sinnvolle Ergänzung des Schullebens“ ist auch ohne Gottesbezug möglich.

Von Hans-Peter Schulz, Wuppertal.

„Religiöse Feste im schulischen Alltag bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, in Gemeinschaft zu feiern“, ist beim offiziellen Bildungsportal von NRW zu lesen. Auch fächer- und jahrgangsübergreifendes sowie gemeinsames Lernen werden allenthalben propagiert und von der Schulaufsicht eingefordert. Auf der Ebene der Bekenntnisse der Schülerinnen und Schüler gilt dies jedoch offenbar nicht. Denn laut Erlass ist „die Teilnahme am Schulgottesdienst … nicht verpflichtend“ und dergleichen Veranstaltungen „bleiben in der Regel den bekenntnisangehörigen Schülerinnen und Schülern vorbehalten“. Für die Teilnahme am Schulgottesdienst werden allerdings Schülerfahrt-Kosten erstattet. Laut der einschlägigen Vorschrift finden diese Gottesdienste an einem „Unterrichtsort“ statt. Für alle, die nicht teilnehmen mögen, bestimmt der Erlass: „Für die Zeit des Schulgottesdienstes besteht die Aufsichtspflicht der Schule“ – böse Zungen sprechen von „Heiden hüten“.

Wie könnten Alternativen aussehen?

Populäre Alternative zu Konfirmation und Firmung: Jugendfeier in Oberhausen. Warum sollte es zu Schulgottesdiensten keine Alternative geben?
Populäre Alternative zu Konfirmation und Firmung: die Jugendfeier, hier in Oberhausen. Wie könnten die positive Alternative zu Einschulungs-Gottesdiensten aussehen?

Im letzten Jahr konnte der Humanistische Verband in Niedersachsen eine erhöhte Anzahl von Eltern registrieren, die sich mit Bitte um Rat an den Verband gewandt haben. Zum einen ging es darum, ob Kinder verpflichtet sind, an diesen ja eher außerschulischen Veranstaltungen teilzunehmen, zum anderen gab es vermehrt Nachfragen, ob es denn Alternativen zum Einschulungsgottesdienst gebe.

In NRW sind fast 30 Prozent der Bevölkerung konfessionsfrei. Daher sollte es an öffentlichen Schulen auch werteorientierte Erfahrungsangebote für konfessionsfreie Schülerinnen und Schüler geben. Insofern ist eine „Nachfrage“ für eine Humanistische Einschulungsfeier durchaus vorstellbar. So könnten alle Mädchen und Jungen, die nicht den Gottesdienst besuchen wollen, unabhängig von ihrer religiösen Herkunft an einer weltlichen Feier zur Einschulung teilnehmen.

In Niedersachsen wurden damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Das humorvolle, kurzweilige und besinnliche Programm stieß bei Kindern und Eltern auf große Zustimmung und Interesse. Was spricht also dagegen, sich in Nordrhein-Westfalen diesem positiven Beispiel anzuschließen?

2 Kommentare

  1. Hallo!
    Wir haben ein ähnliches Anliegen für die Einschulung unserer Kinder. Wir haben hier in Hamburg auch schon Kontakt aufgenommen mit dem Humanistischen Verband und ich hoffe das nächstes Jahr an an einer zentralen Stelle ein weltliche Feier zur Einschulung stattfindet!!

  2. Hallo!
    Der Aufbau einer säkularen Schulkultur ist ein sehr wichtiges Anliegen. Es ist natürlich einfach, das Engagement in Sachen Feste für die Schulgemeinschaft der Religionsfachschaft zu überlassen. Das hat Tradition und natürlich freuen sich Religionslehrer, ohne Konkurrenz diesen Bereich ausfüllen zu dürfen. Neue Akzente zu setzen erfordert daher einen besonderen Einsatz. Es würde sicher helfen, wenn von Seiten der Elternschaft dieses Anliegen formuliert und eventuell auch Unterstützung geleistet würde.
    Sehen Sie hierzu auch meine Gedanken unter:
    http://hpd.de/artikel/religion-und-schule-zeiten-wachsender-kultureller-vielfalt-13512

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