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Humanisten in Asien blicken in die Zukunft

Unter dem Motto „Alt und Neu: Zeitlose Lösungen für moderne Herausforderungen“ hat am 6. und 7. August 2016 in Taiwan die Asian Humanism Conference stattgefunden. Wade Kardaal von den „Taichung Atheists, Freethinkers and Humanists“ war dabei und berichtet von Themen und Ergebnissen der Konferenz.

Aus dem Englischen übersetzt von Sarah Scherf. Quelle: iheu.org

Delegierte bei der Asian Humanism Conference 2016 in Taipei, Taiwan
Ein Teil der Delegierten bei der Konferenz in Taipei.

Humanisten aus ganz Asien kamen in Taipei an der prestigeträchtigen National Taiwan University zusammen, um auf der Asian Humanism Conference über Humanismus und humanistische Werte zu diskutieren.

Das Thema der Veranstaltung sollte dabei sowohl die Vielfalt humanistischen Gedankenguts in der Vergangenheit Asiens als auch die Dynamik des humanistischen Aktivismus der Gegenwart in den Mittelpunkt stellen.

weltanschauungen-in-taiwanDie Konferenz ist für die humanistische Bewegung von besonderer Bedeutung, da sie zum ersten Mal in Ostasien stattfand (wozu nach allgemeiner Auffassung die Länder Taiwan, China, Japan, Nordkorea, Südkorea und die Mongolei gezählt werden). Die Region ist sowohl eine der bevölkerungsreichsten der Erde als auch eine der am wenigsten religiösen. Dennoch liegen hier dem Dogma und Aberglaube viele soziale Probleme zugrunde. In einigen Gegenden gibt es die Freiheiten nicht, für die die Humanisten kämpfen. Die IHEYO (International Humanist and Ethical Youth Organization, d. Red.) hat die Konferenz in Taiwan abgehalten, um den einheimischen Humanisten und humanistischen Organisationen eine Plattform und eine Stimme zu geben und so den Humanismus voranbringen und für die Menschenrechte in der Region kämpfen zu können.

Die diesjährigen Referenten kamen aus einer Vielzahl von Ländern und hatten die unterschiedlichsten Hintergründe. Fast 50 Besucher, zu gleichen Teilen aus Taiwan und anderen Ländern, nahmen an der Konferenz teil. Sechs Mitglieder bzw. Freiwillige der IHEU und IHEYO aus fünf verschiedenen Ländern schlossen sich uns an, darunter Mitglieder aus Pakistan, Nepal, Singapur, Taiwan und von den Philippinen. Insgesamt haben sich Menschen aus 14 Ländern als Teilnehmer oder Helfer bei der Organisation beteiligt.

Die Mitglieder der IHEYO sprachen über die Geschichte ihrer Länder, die humanistischen Bewegungen, über Feminismus und die Macht von Narrativen. Andere sprachen über ihre Gedanken und Forschungen zum Humanismus und darüber, worauf er hinarbeiten sollte und wo er hinführt. In einer sehr persönlichen Diskussion berichteten Referenten, die sich von dogmatischen Religionen losgesagt hatten, den Anwesenden von ihren Erfahrungen. Für manche Teilnehmer war es das erste Mal, dass sie Kontakt zu Nichtgläubigen hatten und deren Berichten zuhören konnten.

Die Konferenz war in mehrfacher Hinsicht ein großer Erfolg. Erstens schien aus den Schwerpunkten und Themen der Sprecher und Panels während der Veranstaltung eine Idee zu entstehen. Diese besteht darin, den führenden asiatischen Humanisten der Vergangenheit und Gegenwart eine Stimme zu geben und damit zu beginnen, eine humanistische Tradition zu entwickeln, die fest im Gedankengut und den Traditionen des Ostens verwurzelt ist (und den westlichen Humanismus nicht ersetzt, sondern ergänzt und unterstützt). Hätte die Konferenz ein inoffizielles Motto gehabt, wäre dies zweifelsohne etwas wie „hin zu einem asiatischen Humanismus“ gewesen. Es ist genau die Art von Ideen, die einer Gruppe Motivation und auch eine Vision für die Zukunft geben kann.

Das Konferenzlogo zeigt den chinesischen Buchstaben für "Menschen" (人).
Das Konferenzlogo enthält den chinesischen Buchstaben für „Mensch“ (人) und spiegelt die Hoffnung wider, dass er zum Symbol des sich in die chinesisch sprechende Welt ausbreitenden Humanismus werden kann.

Ein weiterer großer Erfolg entspricht genau einem der Ziele der IHEYO: die Stärkung von Organisationsvermögen. Zum einen werden die Teilnehmer der IHEYO die Erfahrungen, die sie gemacht haben, mit in ihre Länder nehmen, was ihnen sicherlich bei der Organisation eigener Veranstaltungen helfen wird.

Zum anderen hat das Organisationskomitee der Konferenz, das hauptsächlich aus Freiwilligen aus Taiwan bestand, viele Fähigkeiten erworben und Erfahrungen in der Veranstaltungsorganisation gesammelt. Die Freiwilligen haben es geschafft, die Konferenz erfolgreich zu organisieren und durchzuführen sowie auch einen Zuschuss der Regierung zu beschaffen. Außerdem haben sie dabei geholfen, ein elektronisches Visum für Mitglieder zu ermöglichen, die sonst für eine Einreiseerlaubnis nach Saudi-Arabien – ein sehr gefährliches Land für Humanisten – hätten reisen müssen. Die Humanisten aus Taiwan planen, eine Organisation zu gründen – wir könnten also bald eine Organisation aus Taiwan unter unseren Mitgliedern begrüßen.

Natürlich möchten wir uns bei unseren Sponsoren für die Konferenz bedanken, bei der International Humanist and Ethical Youth Organization wie auch bei der International Humanist and Ethical Union – durch ihre Unterstützung konnte die Veranstaltung realisiert werden. Außerdem geht auch an unseren örtlichen Gastgeber, der Ming Jing Education Association, sowie an unseren Unterstützer, die Abteilung für internationale Angelegenheiten von NGOs des Auswärtigen Amts ein sehr herzlicher Dank für die Hilfe und die freundliche Aufnahme in ihrem Land.

Wade Kardaal | @skeptaiwan bei Twitter folgen

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