Anzeige

„Eine Zukunft, auf die wir uns freuen können“

120 Besucherinnen und Besucher, drei Tage, ein Ort: Zum 50. Geburtstag der Sci-Fi-Kultserie Star Trek ist im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium die Tagung „Neue Welten – Star Trek als humanistische Utopie?“ über die Bühne gegangen.

„Der Spaß soll nicht zu kurz kommen“: Der Geburtstag von Star Trek wurde auch kulinarisch gefeiert.

Immer wieder heißt es, Star Trek sei so ganz anders als das nicht weniger berühmte Sternenepos Star Wars – vielleicht weniger bunt, aber humanistisch, politisch fortschrittlich und philosophisch anspruchsvoll. In seinem so humanistischen wie optimistischen Zukunftsentwurf skizziere Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry demnach nicht weniger als eine„Brotherhood of man“, wie sie John Lennon einst in Imagine besang. Martin Luther King befand sogar: „Star Trek has changed the face of television.” Aber stimmt das? Wie viel Humanismus und Fortschritt stecken wirklich in Star Trek?

Dem wollte der HVD Bayern anlässlich des runden Jubiläums von Star Trek nachgehen. Er organisierte deshalb in Kooperation mit dem Bildungszentrum Nürnberg, das dankbarerweise das Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium zur Verfügung stellte, eine wissenschaftliche Tagung mit dem Titel „Neue Welten – Star Trek als humanistische Utopie?“. Im Foyer hielten James T. Kirk, Spock und Dr. Crusher Wache. Es gab einen Bücherstand und – als besondere Spezialität des Weingutes Probst – „klingonischen Blutwein“. Im großen Kuppelsaal beschäftigten sich derweil insgesamt neun ReferentInnen an drei Tagen mit ethischen und philosophischen Aspekten der Serie, mit Gender und Sex, politischen Strukturen und den gesellschaftlichen Auswirkungen von Star Trek.

So arbeitete Dr. Hubert Zitt in seinem Vortrag heraus, wie unerhört neu dem Fernsehpublikum der 1960er-Jahre vieles vorgekommen sein muss, das The Original Series um Kirk, Spock, Uhura und Co. zeigte. Sei es, weil auf der Enterprise nicht nur der klassische All-American-Boy James T. Kirk, sondern auch russische (lies: sowjetische) und japanische Offiziere ihren Dienst taten, weil die Crew auch aus gleichberechtigten Schwarzen und Frauen bestand, oder auch einfach nur deshalb, weil alle irdischen Konflikte im Star-Trek-Universum überwunden schienen. Star Trek, so Zitt, entwarf in diesem Sinne „eine Zukunft, auf die sich die Zuschauer freuen konnten“.

Star Trek: Gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht

Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Leerstellen, dunkle Flecken oder Brüche in Star Trek gäbe. Uta Scheer etwa zeigte, dass die Darstellung von Frauen, allem fortschrittlichen und emanzipatorischem Anspruch zum Trotz, oft genug stereotyp blieb. Homosexualität wurde lange überhaupt nicht und später eher verschämt und ungeschickt dargestellt. Dr. Sebastian Stoppe wiederum erklärte, warum sich die politische und gesellschaftliche Ordnung der Föderation sich von der der Borg mitunter weniger unterscheidet, als es manchem lieb wäre. Auch auf Schiffen der Sternenflotte wird vor Zwangsmaßnahmen nicht zurückgeschreckt – und wenn die Crew der ersten Enterprise vermeintlich unfreien und primitiven Völkern Freiheit und Fortschritt bringt, ohne nach den Wünschen der Befreiten erst zu fragen, bietet Star Trek auch hier genügend Anlass zur Diskussion.

Auf der Tagung wurde aber nicht nur über die Auslegung einzelner Episoden debattiert. „Der Spaß soll nicht zu kurz kommen“, hatte Michael Bauer, Vorstand des HVD Bayern, im Vorfeld gesagt. Auf dem Come-Together am Freitag und mit einem 4-Gänge-Sternenflottendinner am Samstag wurde der Geburtstag von Star Trek deshalb auch kulinarisch gefeiert, mit „klingonischem Blutwein“ und vielen anderen galaktischen Leckereien.